Wenn die Wut über die Räumung die Stadt ansteckt
»Wenn sie einen angreifen, greifen sie alle an«, lautet die rituelle Formel, wenn die Repression zuschlägt. Aber wer sind »alle«? In der ersten Reihe stehen natürlich die Genoss*innen der Sozialen Zentren, der Kollektive, der Vereinigungen. Unabhängig von den Urteilen, die jeder über den langen Weg des Leoncavallo haben mag, ist klar, dass die Räumung des »Leo« einen harten Schlag für das gesamte Archipel der sozialen Linken darstellt. Dass die Regierungschefin Giorgia Meloni die Aktion für sich reklamiert, ebnet den Weg für eine neuartige Offensive gegen Räume der Freiheit und Unabhängigkeit.
Wie Giuliano Santoro in »Il Manifesto« treffend erklärt hat, ist der Schlag gegen soziale Wirklichkeiten für die Postfaschisten in der Regierung kein Versehen: Er ist politisches Programm – zugleich ideologische Rache und Baustein einer autoritären Agenda.
Dann gibt es noch das sogenannte weitere Umfeld: Besucher*innen, Unterstützer*innen und Sympathisant*innen, die immer die eigentliche Stärke der Sozialen Zentren ausmachten – außerordentliche urbane Anziehungspunkte für junge Menschen und Energien. Heute ist ihre Präsenz zwar spärlicher als in der Blütezeit, bleibt aber eine lebenswichtige Ressource – ein Nährboden, den es zu pflegen und zu bündeln gilt,........
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