menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

„Die jüdische Perspektive nach Deutschland bringen“

14 0
01.06.2026

01. Juni 2026 – 16. Siwan 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

»Die jüdische Perspektive nach Deutschland bringen«

Der Yad-Vashem-Vorsitzende Dani Dayan über die erste Außenstelle der Gedenkstätte, die Zukunft der Holocaust-Erinnerung und den Kampf gegen Geschichtsverfälschung

Herr Dayan, warum hat sich Yad Vashem für das Bildungszentrum der Holocaust-Gedenkstätte in Deutschland für München entschieden? Was macht die Stadt besonders geeignet für dieses Projekt?Wir haben einen sehr gründlichen und professionellen Auswahlprozess durchgeführt, an dem ausschließlich Fachleute beteiligt waren und Politik keinerlei Rolle spielte. In alle infrage kommenden Standorte schickten wir Delegationen. In Nordrhein-Westfalen gab es sogar zwei Kandidatenstädte, Köln und Düsseldorf. München wurde aus mehreren Gründen ausgewählt. Zum einen ist da die geografische Lage innerhalb Deutschlands und Europas, zum anderen die bestehende Bildungslandschaft, mit der wir eng zusammenarbeiten können, sowie das große Potenzial für eine nachhaltige Bildungswirkung. Besonders wichtig waren auch die starke Unterstützung und das klare Engagement auf Landesebene in Bayern.

Eine weitere Rolle spielte das Gebäude selbst. Es eignet sich hervorragend für unsere Bedürfnisse und besitzt zugleich eine besondere historische Bedeutung, da es einst Sitz des Obersten Parteigerichts der NSDAP war. Und schließlich mussten wir natürlich auch Sicherheitsaspekte berücksichtigen. Aus dieser Perspektive erwies sich München ebenfalls als besonders geeignet. Insgesamt war es die Kombination all dieser Faktoren, bei denen München die anderen Standorte übertroffen hat.

Es wurde auch über einen zusätzlichen Standort in Leipzig gesprochen. Ist das bereits entschieden?Das muss natürlich immer auf gegenseitigem Einverständnis beruhen. Wir haben vorgeschlagen, in Leipzig eine Außenstelle einzurichten, eine Art Erweiterung des Bildungszentrums. Nach den Reaktionen sowohl auf Bundesebene als auch auf Landesebene in Sachsen – einschließlich der Unterstützung durch Bundeskanzler Friedrich Merz und den sächsischen Ministerpräsidenten – gehen wir davon aus, dass unser Angebot angenommen wurde.

Wichtig ist mir jedoch zu betonen: Weder das Zentrum in München noch die Außenstelle in Leipzig sind nur für Bayern oder Sachsen gedacht. Beide Einrichtungen sollen dem gesamten Bundesgebiet dienen. Wir arbeiten bereits heute mit zahlreichen Partnern in ganz Deutschland zusammen. Diese Kooperationen werden uns helfen, unsere Bildungsarbeit bundesweit auszubauen.

Und wann könnte das Bildungszentrum am Karolinenplatz in München seine Pforten öffnen?Unser Ziel ist eine Eröffnung im Jahr 2028. Da das Gebäude am Karolinenplatz in München bereits genutzt werden kann, denken wir auch über eine schrittweise Eröffnung einzelner Bereiche........

© Juedische Allgemeine