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Der Antisemitismus und wie Sir Tony ihn (nicht) sah

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05.05.2026

05. Mai 2026 – 18. Ijar 5786

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Der Antisemitismus und wie Sir Tony ihn (nicht) sah

Nach der Messerattacke auf zwei Juden in Golders Green hat ein ehemaliger britischer Diplomat der »Times« einen Leserbrief geschickt. Er verdeutlicht, warum einem als Jude in Großbritannien mulmig zumute sein muss

Letzte Woche schickte Sir Tony Brenton, ehemaliger britischer Botschafter in Russland, einen Leserbrief an die »Times«. Zuvor waren zwei jüdische Männer in Golders Green, einem Stadtteil im Norden Londons, in dem viele Juden leben, auf offener Straße niedergestochen worden.

Der Leserbrief war empörend und nützlich zugleich. Empörend, weil Sir Tony suggerierte, dass britische Juden gewissermaßen persönlich für die israelischen Militäroperationen im Gazastreifen in Mithaftung genommen werden sollten. Und nützlich, weil er sehr klar offenlegt, warum sich so viele weigern, den enormen Anstieg des Antisemitismus im Vereinigten Königreich seit den Massakern vom 7. Oktober 2023 auch nur zur Kenntnis, geschweige denn ernst zu nehmen.

Im Jahr 2023 meldete der Community Security Trust (CST) 4298 antisemitische Vorfälle, damals schon ein Allzeithoch. In den ersten sechs Monaten des Folgejahres kam es zu fast 2000 Vorfällen, und im vergangenen Jahr gab es laut CST 3700 antisemitische Vorkommnisse - immer noch die zweithöchste Zahl seit Beginn der Erfassungen. Jeden Monat wurden 2025 im Durchschnitt also mehr als 300 judenfeindliche Vorfälle registriert, doppelt so viele wie im Durchschnitt vor dem 7. Oktober 2023.

Doch für Sir Tony waren wohl die wenigsten davon tatsächlich antisemitisch. In seinem Leserbrief schreibt er: »Der große Anstieg des ‚Antisemitismus‘ fand Ende 2023 statt und war daher gar kein oder größtenteils kein Antisemitismus, sondern eine weit verbreitete Wut in der Bevölkerung über die israelische Überreaktion auf die Gräueltaten der Hamas im Oktober desselben Jahres.«

Nicht antisemitisch, sondern nur........

© Juedische Allgemeine