menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Herzenstexte auf gedrucktem Papier

13 0
07.05.2026

07. Mai 2026 – 20. Ijar 5786

AboAngebote PrintAbo-Service

AboAngebote PrintAbo-Service

Herzenstexte auf gedrucktem Papier

Herzenstexte auf gedrucktem Papier

Unsere Autorin begann beim Fernsehen, war lange Zeit beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und schreibt heute für die Jüdische Allgemeine. Eine Liebeserklärung

Beobachten, fragen, nachdenken, beschreiben. Tiefgründig, ausführlich, manchmal auch kunstvoll, hin und wieder heiter – so ideal hatte sich die Autorin als Jugendliche ihren zukünftigen Beruf vorgestellt. Heinrich Heine als Vater des modernen Journalismus, Egon Erwin Kisch als »rasender Reporter« und Kurt Tucholsky als der kleine Dicke an der Schreibmaschine, der eine Katastrophe aufhalten wollte: Dieses Dreigestirn strahlte zwar unerreichbar.

Aber immerhin, der eigene Vater galt als Pionier seines Mediums, hat immer freundlich im Radio gesprochen, als Journalist gar einen Klangkörper (seltsam altmodisches Wort) gegründet und sein RIAS-Jugendorchester als erstes Orchester nach Israel gebracht.

Warum nicht Ähnliches versuchen? Skandale in diesem Beruf wie die Hitler-Tagebücher im »stern« zeigten zwar die strukturellen Gefahren auf, den Zeitdruck, die ökonomischen Zwänge, die mangelnde Sorgfalt. Sie warnten vor der Zukunft der Enthüllung, taten der persönlichen Euphorie jedoch keinen Abbruch.

Meine Vorstellung einer ausführlich reflektierenden Tätigkeit hat sich im ersten Praktikum als Utopie herausgestellt, vielleicht weil ich die branchenübliche Reihenfolge abgewandelt hatte. Viele Journalisten sammeln ihre Berufserfahrungen zunächst in einer Zeitungsredaktion, wechseln dann in das elektronische Medium Radio und landen bei entsprechender optischer Begabung schließlich im Fernsehen. Die Einkünfte steigen dementsprechend je nach Medium. Das Zeilenhonorar in der Zeitung ist gegenüber der Vergütung für einen Radiobericht ziemlich mager und verglichen mit einer Fernsehmoderation beinahe die Nulldiät. Umgekehrt proportional zur Länge des Textes, aber davon gleich mehr.

Ich schlug den entgegengesetzten Weg ein und begann im Berliner ZDF-Studio, Redaktion Kultur: Glamour-Garantie mit der Berlinale, Ausstellungseröffnungen und Theaterpremieren. Wer darf schon als Anfängerin die Proben zu Peter Zadeks legendärer Ghetto-Inszenierung von Joshua Sobol mit Esther Ofarim drehen lassen und alle vier Teile von Götz Friedrichs »Ring des Nibelungen« an der Deutschen Oper? Edel klingt das,........

© Juedische Allgemeine