»Die Jüdische Allgemeine gehört einfach dazu«
07. Mai 2026 – 20. Ijar 5786
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»Die Jüdische Allgemeine gehört einfach dazu«
Seit drei Generationen ist die Jüdische Allgemeine ein Kompass für die jüdische Welt. Prominente Leserinnen und Leser erzählen, warum ihnen die Zeitung wichtig ist
07.05.2026 09:57 Uhr
Ihre Meinung ist uns wichtig, heißt es oft. Denn das Feedback von Leserinnen und Lesern gehört zum Journalismus einfach dazu. Kritik, Anregungen oder Lob, früher in Form von klassischen Leserbriefen, heute vor allem in den sozialen Medien zu finden, sind ein wesentlicher Aspekt von dem, was man gerne »Leser-Blatt-Bindung« nennt. Die Jüdische Allgemeine beherrscht diese Disziplin bereits seit 1946 – schließlich verstand sie sich von Anfang an als eine Stimme der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland. Hier sollten sich möglichst alle wiederfinden können. Es liegt also gewissermaßen in der DNA der Zeitung, ihrer Leserschaft besonders nahe zu sein, und das bereits seit mehreren Generationen. Zum Jubiläum haben wir prominente Leserinnen und Leser gebeten, ihr persönliches Verhältnis zu dieser Zeitung zu schildern.
Daniel Donskoy, Autor von »Brennen« und SchauspielerEine jüdische Zeitung in Deutschland, 1946, ein Jahr nach der Schoa. Wer hätte sich das vorstellen können? Nach der Zerstörung, nach dem Morden, nach den unermesslichen Verlusten. Und doch ist es geschehen. Menschen haben wieder geschrieben, gelesen, gestritten, erinnert, gehofft. Sie haben nicht nur über jüdisches Leben berichtet, sie haben es damit auch gestaltet.
Heute, 2026, ist wieder vieles Realität, was man sich lange nicht vorstellen wollte. Juden werden in Europa auf offener Straße angegriffen. Synagogen werden attackiert. In meiner Heimatstadt London werden Juden auf offener Straße angegriffen – manchmal mit Worten, manchmal mit Messern. Jüdische Kinder lernen nicht nur von der schrecklichen Vergangenheit, sie werden auch vor der Gegenwart gewarnt. Vor dem Alltag. Vor dem Sichtbarsein.
Auch das ist unvorstellbar. Und doch passiert es. Vielleicht beginnt Verantwortung genau dort: bei dem, was wir uns vorstellen. Und bei dem, was wir aus unseren Vorstellungen machen. Ich stelle mir vor, dass eine jüdische Zeitung nicht nur als Zeichen des Überlebens gelesen wird, sondern als selbstverständliche Stimme einer lebendigen Gemeinschaft. Ich stelle mir vor, dass jüdisches Leben nicht erklärt, verteidigt oder versteckt werden muss. Dass Erinnerung nicht erst dann beginnt, wenn etwas verloren ist.
Sich ein freies jüdisches Leben vorzustellen, ist kein naiver Luxus. Es ist eine Haltung. Eine Entscheidung gegen die Gewöhnung an Hass. Eine Entscheidung dafür, sichtbar zu........
