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Probleme der Pkw-Branche: Zerbrechliche Auto-Strategien

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Probleme der Pkw-Branche: Zerbrechliche Auto-Strategien

Stand: 12.03.2026, 17:34 Uhr

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Die Zeit der Schönwetterkonzepte ist vorbei. BMW geht es nicht wegen des Verbrenners besser als anderen.

Zum Abschied von der BMW-Spitze gönnt sich Oliver Zipse eine kleine Gemeinheit. Der Mann, der mit seinem Beharren auf einer Vielfalt verschiedener Autoantriebe lange Zeit auf einsamem Posten war, blickt in einem Interview auf die Konkurrenz und stellt fest: In einem gut geführten Unternehmen ist es aus seiner Sicht „fast unmöglich, eine derart falsche Entscheidung zu treffen und alles auf eine einzige Technologie zu setzen“. Wen mag er damit nur gemeint haben?

Da spricht das Selbstbewusstsein des Erfolgreichen. Seine letzte BMW-Bilanz, die Zipse vorlegte, ist zwar nicht glänzend – aber um Längen besser als das, was Volkswagen, Porsche, Mercedes-Benz, Stellantis oder Ford zuletzt ablieferten. Rundum kostet es die Konkurrenz Milliarden, ihre Strategien an die Realität anzupassen und zum Beispiel wieder Alternativen zum Elektroantrieb einzuplanen.

Das hat BMW immer getan – und kommt auch deshalb robuster durch die Autokrise als die anderen. Interessant ist dabei: Trotz aller „Technologieoffenheit“ ist der Anteil der Elektroautos am BMW-Geschäft größer als bei den Wettbewerbern. Und dank der Modellreihe „Neue Klasse“ wird er noch deutlich wachsen.

Sie liefern aber ein Beispiel dafür, worauf es ankommt: In dieser Welt muss man auf alles gefasst sein. Das galt schon immer, ist in besseren Zeiten aber in Vergessenheit geraten. Im Schutz gnädiger Verhältnisse wuchsen Wunschdenken und Machbarkeitswahn. Der China-Boom werde schon weiterlaufen, und natürlich könne man in ein paar Jahren auf ein komplett neues Antriebssystem umstellen. Es entstanden Schönwetterkonzepte: unwiderstehlich auf Powerpoint-Folien, aber zerbrechlich in der Realität.

Die akute und noch längst nicht ausgestandene Krise der Autoindustrie hat viele Ursachen – erwartbare und überraschende, externe und hausgemachte, altbekannte und jeden Tag neue. Auch BMW rollt da nicht so souverän durch, wie der scheidende Chef glauben machen will.

Die Liste ist lang und wird einfach nicht kürzer. Der Schock über Donald Trumps Zollpolitik hat sich zwar gelegt, aber deren Wirkung bleibt. In China geben Verbraucher:innen weniger Geld für Luxus aus, also für Autos deutscher Marken. Dort ist im Eiltempo kompetente Konkurrenz herangewachsen. Und dann ist da noch die EU-Kommission, die ehrgeizigste CO₂-Ziele setzt, bei der Erreichung aber keine Hilfe ist.

Die Autogrößen beklagen, dass es Herausforderungen in dieser Größe und Zahl kaum je gegeben habe. Dass dies alles völlig unabsehbar vom Himmel gefallen sei, ist allerdings nicht einmal die halbe Wahrheit: Von Zöllen hat Trump seit einem Jahrzehnt geredet, die Immobilienkrise in China schwelt schon lange, und der Aufbau eigener Hightech-Industrien stand dort im Fünfjahresplan.

Viele Konzernstrategien erweisen sich jetzt als fragil, und Manager berufen sich auf Unvorhersehbares, um deren Bröckeln zu erklären. Zipse, einmal in Fahrt, wirft ihnen mangelnden Realitätssinn vor. Ein Unternehmen müsse heutzutage sogar imstande sein, von der Unsicherheit zu profitieren.

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Das klingt ein bisschen wolkig, beschreibt aber einen Paradigmenwechsel. Jahrzehntelang war Effizienz das höchste Ziel – und die braucht berechenbare Rahmenbedingungen. Damit scheint es vorerst vorbei zu sein. Die Zukunft gehört deshalb denen, die am besten mit der Realität zurechtkommen.


© Frankfurter Rundschau