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Mehr Kanzlerdemokratie wagen

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08.01.2026

Führungsstärke wird von allen Seiten gelobt und gefordert. Aber die so loben, haben verlernt, worauf es ankommt – und was seit Adenauer verloren gegangen ist.

Es ist wahr, was Friedrich Merz über den Unterschied zwischen Gegenwart und Adenauer-Zeit gesagt hat: Für eine Regierung wie die seine, die grundlegende Veränderungen durchsetzen wolle, sei es heute schwieriger. Damals lebten die Deutschen im Westen in einer Republik der vielen Möglichkeiten, so Merz, heute in einer blockierten Republik.

Wie mühsam es ist, diese Blockade auf­zulösen, erfährt er seit Monaten. Das Revirement im Kanzleramt, vielleicht nicht das letzte, zeigt, dass es Zeit braucht, selbst die Schaltzentralen der Macht darauf auszurichten.

Der Seufzer des Kanzlers, das Blatt, auf dem Adenauer seine Politik habe schreiben können, sei eben weiß und leer gewesen, trifft die Sache aber nicht. Es gab damals so viele Fallstricke, Widerstände, Interessen, Erwartungen, auch Koalitionen wie heute.

Das führt zu der Frage zurück, die zum 150. Geburtstag des „Alten“ im Raum stand: Konnte er anders, konnte er besser führen als die Politiker heutzutage? Erscheint uns nur deshalb das Blatt von damals so weiß und das Blatt von heute so kompliziert bedruckt, weil Führungsqualitäten abhandengekommen sind?

Wie schnell das gehen kann, zeigte sich schon am Nachfolger Adenauers. Ludwig........

© Frankfurter Allgemeine