Social Media verbreitet Geschlechterklischees
Social Media verbreitet Geschlechterklischees
Social Media verbreitet Geschlechterklischees
Die Gen-Z denkt in Bezug auf Rollenbilder weniger fortschrittlich als frühere Generationen. Schuld daran dürfte das Internet sein, sagt unsere Autorin Irene Habich.
Kurz vor dem Weltfrauentag machte ein Umfrageergebnis Schlagzeilen: Rückständiges Rollendenken ist bei Männern der Gen-Z stärker verbreitet als in früheren Generationen. Das zeigt: Gleichstellung ist auch in der modernen Gesellschaft kein Selbstläufer, der sich auf Dauer automatisch durchsetzen wird.
Auf den ersten Blick mag das Umfrageergebnis überraschen. Immerhin gendert die Gen-Z viel selbstverständlicher und scheint einen offeneren Umgang mit verschiedenen Geschlechteridentitäten zu haben. Und sie ist mit dem Internet aufgewachsen, hatte Zugang zu so vielen Informationen wie keine andere Generation. Sollte das nicht eine andere Einstellung fördern?
Von klein auf das Aussehen reduziert
Doch wer das Netz dank der „Metoo-Bewegung“ als eine Art Triebfeder für Feminismus sieht, hat nicht gut genug hingeschaut. Zeitgemäße Rollenbilder werden in der Social-Media-Welt kaum vermittelt. Stattdessen sind Kinder und Jugendliche dort von klein auf Schönheits-Standards ausgesetzt, die durch Filter und KI oder sogar chirurgische Eingriffe entstehen und immer unerreichbarer werden.
Das setzt sie nachweislich unter Druck. Und junge Mädchen und Frauen sind leider besonders dafür anfällig, sich über ihr Aussehen zu definieren, denn sie werden von klein auf immer wieder darauf reduziert. Dass auch zunehmend junge Männer unter Körperbildstörungen leiden, macht es nicht besser.
Süß, angepasst und harmlos
Erfolgreiche Influencerinnen sind heute ein häufiges Vorbild für viele junge Frauen. Aber in vielen Fällen eben keines, das gut geeignet wäre, um mit Rollenklischees aufzuräumen. Die Internet-Stars mögen erfolgreich sein. Die Wahrheit ist aber: Das werden Frauen bei Social Media vor allem dann, wenn sie jung, extrem schlank und hübsch sind. Wenn sie sich süß, angepasst, kindlich und harmlos geben oder ordentlich Haut zeigen.
Verstörend wirkt das leider nur noch auf Menschen, die nicht mit Youtube-Channels und TikTok aufgewachsen sind. Für alle anderen ist es viel zu selbstverständlich geworden, dass sich Frauen eben genauso präsentieren.
Geschuldet ist das der Macht der Algorithmen, die bestimmen, was sich erfolgreich verbreitet und womit sich Geld im Netz verdienen lässt. Längst ist bekannt, dass Algorithmen indirekt die Vorstellungen der Personen transportieren, die sie programmiert haben. Und das sind eben in der Regel Männer.
Zugang zu Pornografie
Die Algorithmen führen auch zur Bildung von „Bubbles“, in denen sich Gleichgesinnte austauschen und gegenseitig in ihrem Weltbild bestärken. Dort finden sich dann auch Männer zusammen, die sich gesellschaftlich abgehängt fühlen und mit der Gleichberechtigung hadern. Frauen, die im Netz zu selbstbewusst auftreten und es wagen, mit Rollenmustern zu brechen, werden von ihnen mit Shitstorms und Schmähungen überzogen und bedroht. Einen gesellschaftlichen pluralistischen Austausch, der für das Ziel von mehr Gleichberechtigung so wichtig wäre, fördern die Algorithmen jedenfalls nicht.
Männer der Gen-Z hatten durch das Internet auch viel leichter und früher Zugang zu häufig frauenabwertenden, pornografischen Inhalten im Netz als andere Generationen zuvor. Längst erwiesen ist, dass dies die Vorstellung von Sex ungünstig prägt. Eine Sexualität zu leben, bei der beide Geschlechter auf ihre Kosten kommen, und die Frau nicht nur zur Lusterfüllung des Mannes da ist, lässt sich so jedenfalls nicht erlernen.
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Wenn nun über den Schutz junger Menschen vor schädlichen Social-Media-Inhalten diskutiert wird, ist deshalb eines wichtig: Der Schutz vor frauenfeindlichen Inhalten im Netz muss dabei unbedingt mitgedacht werden. Sonst werden es neue Rollenbilder auch in künftigen Generationen schwer haben, sich durchzusetzen.
