Keine Identität, kein Teamgeist – keine Medaille
Deutsches Olympia-Aus im Eishockey: Keine Identität, kein Teamgeist – keine Medaille
Keine Identität, kein Teamgeist – keine Medaille
Das Aus gegen die Slowakei kam nicht überraschend. Der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft fehlten bei Olympia elementare Tugenden. Ein Beispiel hätte sie sich an Deutschlands Basketballern nehmen können.
Die beste deutsche Mannschaft jemals, NHL-Spieler weit und breit – und dazu der Superstar mit Leon Draisaitl: Die Vorschusslorbeeren, mit denen das deutsche Eishockey-Team in dieses olympische Turnier ging, waren riesengroß.
Nichts davon bleibt nach dem katastrophalen Auftritt gegen die Slowakei: Endstation Viertelfinale, 2:6, raus ohne Applaus. Die Hoffnung auf eine Medaille ist futsch. Immerhin: Das vom Verband ausgegebene Minimalziel wurde erreicht mit dem Viertelfinaleinzug.
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Doch mit diesem Team war viel mehr drin. Allemal ein Sieg gegen die individuell nicht besser besetzte Slowakei. Das Problem: Eine Einheit war auf dem Eis fast nie zu erkennen bei den Deutschen. Keiner ging für den anderen über die Schmerzgrenze. Bundestrainer Harold Kreis hat es in der kurzen Zeit nicht geschafft, aus Topstars wie Draisaitl, Nico Sturm, Tim Stützle und Moritz Seider und Co. ein funktionierendes Konstrukt zu formen.
Müller sieht beste Teams 2018 und 2023
Das gab sogar Moritz Müller, vor dem Turnier als Kapitän durch Draisaitl ersetzt, indirekt zu: „Da wurde im Vorfeld viel gesprochen – wie gut diese Mannschaft ist. Die besten Mannschaften, die ich bei Deutschland erlebt habe, waren 2018 und 2023“, sagte der 39-Jährige schon während des Turniers. 2018 gewann Deutschland Silber bei Olympia, 2023 gelang dasselbe bei der WM.
An den Teamgeist dieser Turniere müsse diese olympische Mannschaft erst kommen, sagte Müller. Nun ist es zu spät. Es fehlte eine Identität, das räumte nach dem Aus auch Kapitän Draisaitl ein. Die einen wollten nach vorn spielen, andere setzten auf defensive Stabilität. Das passte nicht. Zudem blitzte das Können der Stars zu selten auf.
Wie es geht, Ausnahmespieler mit dem Rest eines Teams als Einheit zusammenzubringen, stellten noch im Sommer die Basketballer beim EM-Triumph eindrucksvoll unter Beweis. Von der ersten Sekunde der Vorbereitung bis zur letzten im Finale gegen die Türkei zeigten die NBA-Stars Franz Wagner und vor allem Kapitän Dennis Schröder, dass es nur über die Mannschaft funktionieren würde. Zwei Stars alleine reichen nicht.
Wenn es bei Schröder mal nicht lief, ließen ihn die Trainer Alex Mumbru und Alan Ibrahimagic auch mal länger auf der Bank. Sie trauten anderen zu, das Ruder rumzureißen, und wurden belohnt. In Mailand dagegen bekamen besonders Draisaitl, der nur selten überzeugen konnte, und die weiteren NHL-Spieler (zu) viel Spielzeit. Andere schmorten lange auf der Bank.
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Zur Wahrheit gehört auch, dass das Eishockey-Team weniger Zeit hatte, um zusammenzufinden. Erst kurz vor den Winterspielen waren sie alle beisammen. Und dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass es diese Mannschaft verpasst hat, einen olympischen Teamgeist aufzubauen, der zum Gewinn einer Medaille hätte reichen können.
