Trump am Nasenring auf der Weltbühne
Trump vor gefährlicher Entscheidung: Waffenstillstand mit Iran läuft aus - ein Kommentar
Trump am Nasenring auf der Weltbühne
Am Mittwoch läuft der brüchige Waffenstillstand zwischen den USA und dem Iran aus. Dass der US-Präsident mit dem Rücken zur Wand steht, macht die Lage erst recht gefährlich.
Es sieht nicht gut aus für Donald Trump. Das iranische Mullah-Regime sitzt fester im Sattel als je zuvor und erdreistet sich, dem US-Präsidenten die Stirn zu bieten. Mehr noch: Der Iran öffnet und schließt die Meerenge von Hormus nach Belieben. Der Iran sagt Friedensgespräche zu und ab. Ganz nebenbei schicken die Iraner den Ölpreis und die Börsen weltweit auf Achterbahnfahrt. Trump hat längst nicht mehr die Kontrolle. Im Gegenteil: Das iranische Terror-Regime führt den US-Präsidenten am Nasenring über die Weltbühne.
Die Amerikaner haben sich mit diesem Krieg, den Trump offensichtlich auf Drängen Israels begonnen hat, in eine Sackgasse manövriert. Dass sich nun auch China einmischt und die USA angesichts des gekidnappten iranischen Tankers zur Besonnenheit mahnt, macht die Sache noch gefährlicher. Die ruhige, sachliche Kritik aus Peking muss alle Alarmglocken im Westen schrillen lassen. Es ist ein klarer Warnschuss an die USA, dass sich die Chinesen das irrationale Treiben der Amerikaner im Nahen Osten nicht mehr lange tatenlos anschauen werden. Nur so lässt sich auch das Selbstbewusstsein der Iraner erklären.
Was die Vereinigten Staaten bewegt: Die USA-Experten des RND ordnen ein und liefern Hintergründe. Jeden zweiten Dienstag.
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Soldaten in verzinkten Särgen
Innenpolitisch sitzt Trump mindestens genauso eng in der Klemme wie außenpolitisch. Er hat sein Versprechen an seine Anhänger gebrochen, keine Kriege zu führen. Nun kommen gefallene Soldaten in verzinkten Särgen aus Trumps Krieg zu Hause an. Ein Desaster. Die Inflation in den USA galoppiert und hat wegen des Kriegs im Iran auch die Zapfsäulen erreicht. Der vom Präsidenten angezettelte Glaubenskrieg mit dem Papst verstört Trumps religiös geprägten Anhänger, auch wenn sie Evangelikale sind. Wenn es keine unerwarteten Wendungen gibt, wartet im November bei den Midterms eine böse Quittung auf Trump.
Der US-Präsident hat die Neigung, von einem Problem abzulenken, indem er die Öffentlichkeit mit einer neuen Ungeheuerlichkeit beschäftigt: Epstein-Akten, Überfall auf Venezuela, die Einsätze der ICE-Behörde gegen Migranten, Forderungen nach Grönland, der Krieg gegen den Iran, der Streit mit dem Papst. Und immer wieder postet er auf seiner eigenen Nachrichten-Plattform „Truth Social“ Drohungen und Beschimpfungen, die Anlass zur Frage geben, ob dieser Präsident wirklich noch zurechnungsfähig ist.
Waffenstillstand läuft aus
An diesem Mittwoch läuft der ohnehin brüchige Waffenstillstand aus. Trump hat bereits gedroht, alle Brücken und alle Kraftwerke im Iran zu bombardieren, sollte es nicht eine Einigung nach seinen Vorstellungen geben. Was er tatsächlich als nächstes tut, bleibt ungewiss.
Ohne Schwarzmalerei zu betreiben: Die Lage ist brandgefährlich für die ganze Welt. Bislang haben die USA und Israel mit diesem Krieg die internationale Versorgung mit Öl, Gas, Saat, Dünger und vielen anderen Gütern eingeschränkt. Nun droht noch Schlimmeres. Man kann nur hoffen, dass China zu besonnen, der Iran zu schwach und Russland zu beschäftigt sind, den Krieg mit den USA zu einem Flächenbrand werden zu lassen. „Wahnsinn“ nennt der brasilianische Präsident Lula da Silva die Lage. Und er hat leider recht.
Dieser Wahnsinn wird so schnell kein Ende finden. Weder die USA noch der Iran sind zu Kompromissen bereit. Zumal weiterhin unklar bleibt, was Trump erreichen will: Regimewechsel? Uran-Anreicherung verhindern? Billiges Öl? Mauteinnahmen in der Straße von Hormus?
Die „ewige Freundschaft“ bröckelt
Der Freihandel mit Mercosur ist viel mehr Chance als Risiko
Kostenpflichtig„Trump hat China groß gemacht“
Der Rest der Welt hat begonnen, sich auf eine Dauerkrise einzustellen. Die international arbeitenden Unternehmen versuchen, ihre Abhängigkeiten von Energie und Rohstoffen besser zu verteilen. In Deutschland boomen Wärmepumpen und E-Autos. Das sind die richtigen Reaktionen. Die Anpassung wird weitergehen müssen. Das Ausmaß dieses Kriegs ist noch nicht zu ermessen.
