Springer-Chef Mathias Döpfner im Theater Ost: Holger Friedrich hat es geschafft
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Kultur : Springer-Chef Mathias Döpfner im Theater Ost: Holger Friedrich hat es geschafft
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Screenshot: der Freitag
Die ganze Geschichte packten sie dann nicht aus. Holger Friedrich beließ es bei jenem SMS-Zitat Mathias Döpfners: „Die Ossis sind entweder Kommunisten oder Faschisten. Dazwischen tun sie es nicht. Eklig.“ 2019 hatte der Chef und Miteigentümer des Springer-Verlags das geschrieben.
Als er nun beim Verleger von Berliner Zeitung und Ostdeutscher Allgemeine im Theater Ost in Berlin-Adlershof auf der Bühne saß, entschuldigte er sich für diese später in der Zeit veröffentlichten Worte nach der für Linkspartei und AfD erfolgreichen Thüringer Landtagswahl. Derart Unüberlegtes könne ihm aber jederzeit wieder entfahren. Das ist wohl entwaffnende Ehrlichkeit, in Adlershof applaudierte das ostdeutsche Publikum ihm zumindest in Teilen dafür.
Zur ganzen Geschichte gehört, dass auch Friedrich SMS-Material aus dem Hause Springer angeboten worden war – vom dort geschassten Julian Reichelt. Friedrich veröffentlichte es nicht, verpfiff stattdessen Reichelt bei Springer.
Was Holger Friedrich und Mathias Döpfner alles gemeinsam haben
Holger Friedrich und Mathias Döpfner haben viel gemeinsam: In materiell einfachen Verhältnissen aufgewachsen, brachten sie es zu Reichtum, bangten in Finanzkrisen um diesen; sie schwören auf Marktwirtschaft, Unternehmertum, Technologie-Optimismus, verorten den Innovationsgeist heute eher in ost- als in westdeutschen Ländern und glauben, die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit zwischen beiden werde sich bald nivelliert haben. Beide sehen den Journalismus in der Krise nicht wegen der Digitalisierung, sondern weil zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung eine Lücke klaffe.
„Sie weiten die Räume des Diskutierbaren aus“, lobt Döpfner Friedrichs Zeitungsprojekte. Doch der klagt über das negative, überwiegend westdeutsche Medienecho auf seine ostdeutschen Zeitungen. „Weil Sie ein Tabubrecher sind, weil Sie ein Angreifer sind, weil Sie ein Unternehmer sind, weil Sie ein Eroberer sind. Sie werden doch nicht angegriffen, weil Sie ein Opfer sind, Sie sind doch ein Täter, im guten Sinne!“, widerspricht Döpfner.
Als der Westdeutsche den Ostdeutschen abblitzen ließ
„Der Systemsprenger“ war 2020 das Porträt im Spiegel betitelt, das der Journalist Alexander Osang über Friedrich schrieb, ein Jahr nach Übernahme der Berliner Zeitung. Döpfner ist darin eine zentrale Figur, Friedrich suchte seine Nähe. Doch der Milliardär ließ den Millionär mit dem „diskreten Charme der Bourgeoisie“ abblitzen.
Knapp sechs Jahre später hat es Friedrich geschafft. Döpfner zitiert auf offener Bühne rege aus Friedrichs Zeitungen, versucht mit Anekdoten aus seiner eigenen Zeit als Chefredakteur der vormals ostdeutschen Wochenpost Mitte der 1990er und mit seinem Wohnort Potsdam beim Publikum und bei Friedrich zu punkten.
Döpfner, Friedrich und die „Mitte“
Der Westdeutsche will vom Ostdeutschen jetzt nur noch wissen, was Westdeutsche, die an der Gegenwart leiden, von Ostdeutschen, die gegen diese Gegenwart aufbegehren, stets wissen wollen: Ob und warum Friedrich denn „unterschwellig eine gewisse Sympathie für das Autoritäre“ hege und nicht erkenne, von welchem Vorteil es sei, dass sie hier offen sprechen könnten, ohne Angst, abgeholt zu werden, wie in Russland, China, Venezuela und im Iran. Warum er der AfD unkritisch begegne. „Welche Rolle spielt für Sie politisches Zentrum?“, fragt Döpfner.
Friedrich antwortet: Sei die Mitte zu Veränderungen nicht in der Lage, würden diese eben von rechten und linken Rändern kommen. „Das finde ich nicht weiter schlimm, weil Veränderung muss kommen“, sonst gerate das Land im globalen Systemwettbewerb unter die Räder. „Ich hab das schon mal erlebt, deswegen bin ich da so neugierig.“ Das ist der Unterschied, der bei aller Ost-West-Nivellierung bestehen bleibt.
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