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US-Angriff auf Iran: Warum sich die Golfstaaten vom US-Kurs gegen den Iran distanzieren

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12.03.2026

Slavoj Žižek: Atombomben für den Iran? Warum sich meine Haltung fundamental geändert hat

Einst schrieb er: „Gebt den iranischen Nuklearwaffen eine Chance.“ Heute ist er gegen das klerofaschistische Regime und gegen die Angriffe der USA und Israels. Ihn beschäftigen die intellektuellen Debatten der iranischen Führungsriege

US-Angriff auf Iran: Donald Trumps Sieg ohne Strategie

Erfahrene Strategen können da noch so viel warnen, man solle keinen Krieg ohne Exit-Strategie anfangen. Donald Trump möchte einfach die Kapitulation des Gegners. Ihm geht es um das Demonstrieren von Macht, weniger um das, was danach kommt

Wenn über Krieg gegen Iran entschieden wird: Darf Donald Trump machen, was er will?

Mitte der Woche sollen in Genf indirekte Gespräche zwischen den USA und Iran weitergehen. Zugleich legt die militärische Drohkulisse gegen Teheran nahe, dass Trump einen Angriff im Sinn hat. Dürfte er darüber allein entscheiden?

Politik : US-Angriff auf Iran: Warum sich die Golfstaaten vom US-Kurs gegen den Iran distanzieren

Der ökonomische Aufschwung der Golfmonarchien war an das Versprechen von Wohlstand und Frieden gebunden. Davon ist derzeit nicht mehr viel übrig. Das verhindert zudem jede Normalisierung des Verhältnisses zu Israel

Foto: Mahmud Hams/Getty Images

Einmal verkündet Donald Trump, der Krieg gegen den Iran werde eine Woche dauern, dann ist von mehreren Wochen, vielleicht Monaten die Rede. Einmal schließt er Bodentruppen aus, dann sind die wieder im Spiel. Nun soll der Krieg angeblich bald zu Ende sein, weil der Iran keine Marine, keine Luftwaffe, keine Kommunikationssysteme mehr habe, doch ist der weiter zur Gegenwehr fähig.

Was ist mit dem ursprünglichen Kriegsziel, die Atomindustrie zu zerstören und einen Regime Change zu erzwingen? Der US-Präsident schürt Ungewissheit und will trotzdem den Eindruck erwecken, er treffe souveräne Entscheidungen, das Führen dieses Krieges entgleite ihm nicht. Nur zeichnet sich trotz ständiger Angriffe der israelischen und der US-Armee, die von ihren Basen in der Region aus operiert, bislang kein endgültiger Erfolg ab.

Angriffe auch auf Wirtschaftsunternehmen

Die US-Stützpunkte in den Golfstaaten waren kurz nach deren Unabhängigkeit in den 1960er und 1970er Jahren installiert worden. Diese Länder wollten ökonomische Prosperität durch das Angebot ihrer Öl- und Gasressourcen für westliche Märkte sichern, ergänzt durch Partnerschaft in Verteidigungsfragen. Inzwischen verfügt man über hochgerüstete Armeen, aber das Sicherheitsversprechen, das mit den US-Basen einst verbunden schien, hat sich mit dem Angriffskrieg gegen den Iran als trügerisch erwiesen und führt zu teils erheblichen Kollateralschäden.

Das gilt für Menschenleben und zivile Objekte in einer Region, die es gewohnt ist, auf Wohlstand durch und im Frieden zu setzen. Im Moment jedoch gelten die iranischen Gegenangriffe auch Wirtschaftsunternehmen, die gemeinsam mit US-Firmen betrieben werden. Vorrangig handelt es sich um Förder- und Aufbereitungsanlagen für Öl und Gas.

Zusammen mit dem faktisch zum Erliegen gekommenen Schiffsverkehr in der Straße von Hormus können sich die Golfstaaten deren Verlust definitiv nicht leisten. Sie werden zu Opfern eines asymmetrischen Schlagabtauschs, in dem die Attacken des Iran Wirkung hinterlassen. Sie dürfte auch darin bestehen, dass die Bevölkerung dieser Länder verstärkt über den Sinn dieser Militärbasen nachdenkt und fordert, die Nutzungsrechte derart einzuschränken, wie das bei vergleichbaren US-Einrichtungen in der Türkei der Fall ist.

Feindschaft zwischen Sunna und Schia

Vor Jahren noch wäre es den USA vielleicht eher gelungen, Saudi-Arabien, Katar, Oman, Bahrain oder die Arabischen Emirate für einen gemeinsamen Krieg gegen den Iran zu gewinnen. Um eine Normalisierung des Verhältnisses zu Israel voranzutreiben, wurde die alte Feindschaft zwischen Sunna und Schia angefacht. Aber diese Rechnung ging nie ganz auf.

Die großen Konflikte der beiden konkurrierenden Hauptströmungen des Islam liegen eineinhalb Jahrtausende zurück und hatten einer halbwegs stabilen Koexistenz Platz gemacht. Sie gehorchte der Notwendigkeit, den kolonialistischen Kreuzzügen des Westens entgegenzutreten. Und es hat den Anschein, als werde dies neuerdings wieder stärker als Herausforderung verstanden.

Das Ruder herumgerissen hatte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman. Er erklärte im Sommer 2023 in den USA, man könne die Beziehungen zu Israel nur normalisieren, wenn zuvor die Palästinafrage gelöst werde. Als der israelisch-palästinensische Konflikt mit dem Gaza-Krieg eskalierte, nahm Riad unter Vermittlung Chinas Anfang 2024 wieder diplomatische Beziehungen zu Teheran auf. Wegen der Solidarität des eigenen Volkes mit den Palästinensern kann es sich kein arabischer Staat leisten, an Israels Seite in den Krieg zu ziehen.

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