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Soziologe Hartmut Rosa über Burn-Out: Nur wer handelt, fühlt sich lebendig

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04.02.2026

Jeder kennt’s: Man füllt ein Formular aus – und etwas stimmt nicht. Das eigene Tun gerät unter den „Vorbehalt des Irgendwie-nicht-Richtigen“. Soziologisch gesprochen, macht man „eine geradezu physisch wahrnehmbare Entfremdungserfahrung, wenn das Gemeinte eben nur teilweise oder nur eingeschränkt ‚zutrifft‘, wir das aber nicht angeben können“. So beschreibt es Hartmut Rosa in seinem neuen Essay Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums.

Ähnliches sei im Stadion zu erleben, wo die Schiedsrichterentscheidung beim Profifußball unter Vorbehalt steht – Videobeweis sticht Augenmaß. Der Jubel der Fans bleibt gespenstisch vorläufig, bis er bildschirmratifiziert ist. Wenn aus Situationen „Konstellationen“ werden, handelt der Mensch nicht, er vollzieht, befindet Rosa. Mit „Konstellation“ meint er die Zurichtung der Welt anhand von Parametern, Kriterienkatalogen, immer weiter verfeinerten Gesetzen und vorgeschriebenen Abläufen. Komplexe Lebenssituationen verengen sich auf binäre Optionen, Entscheidungen verkümmern zu multiple choice.

Mit Gebrauchsanweisungen lässt sich nicht verhandeln oder streiten, sie sind immun gegen Erfahrungen, Uneindeutig- oder Befindlichkeiten. Der Vollzug kennt nur ein Ja oder ein Nein und schrittweises Befolgen, so unbestechlich wie unpersönlich. Dahinter steckt das ursprünglich progressive, aufklärerische Motiv, mit rationaler, umfassender Regelkonformität, Objektivität und Gleichbehandlung mehr Gerechtigkeit und Transparenz zu erwirken.

Dass Bürokratie,........

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