Der gläserne Kunde ist ein zerbrechlicher Kunde: Was bringt uns Werbung bei ChatGPT?
„Ich möchte gleich vorwegnehmen, dass ich Werbung hasse. Werbung war wichtig, um dem frühen Internet ein Geschäftsmodell zu geben“, erklärte OpenAI-CEO Sam Altman bei einem Podiumsgespräch an der Harvard Universität im Mai 2024. In boxfreshen Adidas-Laufschuhen und kastanienbraunem Sweater erklärte Altman selbstbewusst die Vision seines Unternehmens.
Zwar würde er niemals Nie sagen, wenn es um Werbung bei dem weltweit erfolgreichsten KI-Assistenten ChatGPT gehe: „Aber generell mag ich sie nicht. Und die Kombination von Werbung und KI finde ich besonders beunruhigend. Wenn ich mir vorstelle, dass GPT mir eine Antwort schreibt und ich dann erst herausfinden müsste, wer genau dafür bezahlt, um zu beeinflussen, was mir angezeigt wird, fände ich das nicht gut.“
Danach lobte er noch das eigene Business-Modell: Dass reiche Länder und deren User mit ihren Abos quasi querfinanzieren würden, was in anderen Regionen aufgrund „mangelnder Zugänge und Ungleichheit“ fehle. Man verpflichte sich als Unternehmen, „einen Großteil dessen, was im Grunde die Reichen zahlen, für den kostenlosen Zugang der Ärmsten einzusetzen.“ Das klingt ein bisschen wie Robin Hood auf Krypto.
Aber keine zwei Jahre später, hat sich der Druck auf Sam Altman dramatisch erhöht. Denn trotz steigender Umsätze, mangelt es dem Unternehmen an Profitabilität. Für das letzte Vorjahresquartal wurde ein massiver Verlust von zwölf Milliarden Dollar verbucht. Finanzexperten schätzen, dass bereits Mitte 2027 OpenAI Pleite gehen könnte. Die Sorge um das Platzen der gigantischen KI-Blase wird dadurch angeheizt.
Nun gibt es sie also doch: Werbung bei ChatGPT. Das, was Altman noch in Harvard als allerletzte Notbremse bezeichnete („Wenn wir eine Alternative finden, wäre mir diese lieber.“), scheint nun unvermeidbar. Zunächst wird das Werbemodell in den USA getestet. Das gilt für kostenfreie Accounts und die Nutzer:innen des im vergangenen August eingeführten Preismodells ChatGPT Go, das mittlerweile in über 170 Ländern verfügbar ist. Das Ausrollen auf andere Regionen dürfte nur eine Frage der Zeit sein.
Dass Werbung bei KI-Plattformen eine Rolle spielen wird, war abzusehen. Noch ist nicht klar, wie und in welcher Form, sie sich etablieren wird. Ähnlich wie bei Google (Suchmaschine, Maps, YouTube) und Facebook/Instagram wurde erst ein vielversprechendes, vermeintlich kostenloses Produkt auf dem Markt etabliert, um dann auf Basis von sensiblen Kundendaten monetarisiert und vermarktet zu werden. Ein bisschen ist es wie mit fiesen Drogendealern, die erst mit Gratisproben ihre Kundschaft abhängig........
