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Oscar-Nominierungen 2026: Ein enges Feld

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23.01.2026

Es ist die Stunde der Datengräber und Erbsenzähler: Wussten Sie, dass in der 98-jährigen Geschichte der Oscars Sinners (deutscher Verleihtitel: Blood & Sinners) der erste Film ist, der satte 16 Nominierungen erhielt? Die früheren Rekordhalter, Alles über Eva (1950), Titanic (1996) und La La Land (2016) mit ihren je 14 Nominierungen sind damit in den Schatten gestellt, und das von einem historischen Südstaaten-Drama, in dem Vampire auftreten und das von einem afroamerikanischen Regisseur geschrieben und inszeniert wurde.

Der Nominierungs-Rekord für Ryan Cooglers eleganten Mix aus Black History, Horror-Film und Musik-Geschichte wird von den Fans mit einer Portion Trotz gefeiert: Den Kinostart im April 2025 hatte die Kontroverse begleitet, dass man in Hollywood das Potential dieses Films tendenziös unterschätzt habe. Tatsächlich hatte man ihm die Zuschauerzahlen, die er schlussendlich weltweit generierte – in Deutschland waren es fast 300.000 – nicht zugetraut. 16 Oscar-Nominierungen lassen sich in diesem Kontext erneut als Statement lesen gegen die strukturell-rassistische Skepsis des Filmbusiness, die „schwarze“ Stoffe gern in eine Nische abschiebt.

Ob Blood & Sinners dann am Abend der Oscar-Verleihung am 15. März weiterfeiern kann, ist noch nicht abzusehen. Die Liste der Filme, die trotz Nominierungs-Rekord am Ende der Preisvergabe als Verlierer dastehen, ist lang und prominent. Kein geringerer als Steven Spielberg hält mit Die Farbe Lila (1985) den traurigen Rekord, bei elf Nominierungen leer ausgegangen zu sein. Martin Scorsese machte etwas Ähnliches bereits drei Mal durch (mit Killers of the Flower Moon, The Irishman und Gangs of New York); seine Filme gingen mit jeweils zehn Nominierungen........

© der Freitag