Der Volksbühnen-Grafiker Bernd Frank ist mit 83 Jahren gestorben
Sein rotes, weit aufgespreiztes V bestimmte in den Jahren vor der Wende das Stadtbild Ost-Berlins, ähnlich wie später das berühmte Räuberrad von Bert Neumann. Es zierte alle Plakate, die die Veranstaltungen der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz anpriesen, darunter auch die stadtgesprächsbestimmenden Spektakel. Erfunden hatte das V der Grafiker und Hochschullehrer Bernd Frank, der von 1970 bis 2007 Hunderte von Plakaten für das Theater gestaltete. Nun ist Bernd Frank am Dienstag im Alter von 83 Jahren in Berlin gestorben.
Starke Zeichen für ein starkes Theater
Als die Volksbühne kurz nach der Wende an Frank Castorf gehen sollte, trieb die damalige Dramaturgie des Hauses vor ihrem Abschied die Idee um, das besagte V noch einmal rot und haushoch an eine der vielen Berliner Brandwände zu pinseln und dann in die Luft zu sprengen. Ein starkes Bild, das, auch ohne dass es tatsächlich verwirklicht wurde, für die Gestaltungsfreude noch in der Vernichtung und für das Untergangsbewusstsein einer Generation vor ihrer Ablösung im Gedächtnis bleibt.
Das erinnert an den glücklicherweise unerfüllten Wunsch von Frank Castorf, das eiserne Räuberraddenkmal bei seinem Weggang 2017 mit einem Hubschrauber nach Avignon zu transportieren und dabei tief genug zu fliegen, um eine Schneise der Zerstörung durch die Stadt zu ziehen. Man muss schon dingfeste Zeichen setzen, um dem als Panzerkreuzer bezeichneten Theaterhaus in Mitte gerecht zu werden. Bert Neumann, aber auch Bernd Frank hatten solche Zeichen gefunden.
Oklahoma liegt in Vorpommern: Eine Reise zu Bert Neumann
Bernd Frank wurde in Erfurt geboren, absolvierte eine Berufsausbildung mit Abitur im Büromaschinenwerk Optima. Nach einem Studium der Kunstpädagogik in Erfurt wurde er an der Kunsthochschule in Weißensee angenommen und studierte bis 1974 unter anderem bei Klaus Wittkugel Grafik. Schon währenddessen gestaltete er die Plakate der Volksbühne, die sich viele Besucher einrollten, nach Hause holten und an die Küchenwände klebten.
Frank arbeitete auch für andere Häuser: das Deutsche Theater, das Berliner Ensemble, das Staatstheater Schwerin, das Grips und das RambaZamba, aber auch für Konzerte etwa von Silly und Pankow. Für Sillys „Bataillon d’Amour“, den Soundtrack der letzten DDR-Momente, entwarf er sein einziges Schallplattencover. Museen und Sammlungen verwahren seine Hervorbringungen für die Ewigkeit. Sein Wissen gab er seit 2001 als Professor für Grafikdesign weiter. Und an seine Tochter Franziska Schaum, die selbst Künstlerin wurde und der Berliner Zeitung am Mittwoch die Nachricht vom Tod ihres Vaters überbrachte.
