Bullerbü für Besserverdiener: Berlins bizarrer Skandinavien-Fetisch
Wer an einem regnerischen Dienstagmorgen vor einer Sauerteigbäckerei auf der Kastanienallee steht, beobachtet ein seltsames Schauspiel. Die Kundschaft wartet geduldig im Nieselregen, eingehüllt in feinstes Goretex, als gelte es, gleich im Anschluss den 470 Kilometer langen Kungsleden in Schweden zu bezwingen. Berlins Zentrum, genauer gesagt Mitte und Prenzlauer Berg, hat sich in ein kuratiertes Bullerbü mit Extremsport-Fetisch verwandelt. Der Skandinavien-Trend dominiert das Straßenbild, nordischer Pragmatismus wird hier als teures Lifestyle-Produkt verkauft. Es ist eine Welt, in der optische Leere zum Statussymbol geworden ist.
