„Gemeinwohl über Partikularinteressen“: Papst ruft Politiker zu furchtlosem Handeln auf
„Fürchten Sie sich nicht vor Meinungsverschiedenheiten, seien Sie in der Lage, Konflikte zu bewältigen und sie in Wege der Erneuerung zu verwandeln.“ Des Papstes Wort, gesprochen kurz nach seiner Ankunft in Angola, möge in den Ohren unseres katholischen Kanzlers nachhallen. Merz kann es dann seinen Koalitionären, zum Beispiel dem Protestanten Söder, weitersagen.
Papst Leo XIV. hatte sich in den vergangenen Tagen schon zum klarsten Kritiker Donald Trumps entwickelt. Ohne den US-Präsidenten beim Namen zu nennen, sagte er im kamerunischen Bamenda: „Die Welt wird von einer Handvoll Tyrannen zerstört.“ Und alle, alle haben ihn verstanden.
Kaum war er in Luanda gelandet, fand er auch jene Worte, die deutschen klientelfixierten Politikblockierern an der Staatsspitze den Schlaf rauben sollten: „Stellen Sie das Gemeinwohl über das Partikularinteresse und verwechseln Sie niemals Ihren Teil mit dem Ganzen. Die Geschichte wird Ihnen dann recht geben, auch wenn Ihnen im Moment jemand feindlich gesinnt sein mag.“ Leo hat das in aller Höflichkeit angolanischen Spitzenpolitikern unter die Nase gerieben.
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Noch ein paar Kostproben seiner Worte (hier der Wortlaut) für die Welt: „Wir flüchten uns in Fanatismus, in Unterwerfung, in den Medienlärm, in die Illusion des Reichtums, in den identitären Mythos.“ Die Folgen: „ein Klima der Entfremdung vom Gemeinwesen, der Achtlosigkeit gegenüber dem Unglück anderer und der Verweigerung jeglicher Brüderlichkeit“. Man sollte in diesen Tagen offenbar mehr Papst wagen.
Er bewegt sich in Angola auf einem für die katholische Kirche schwierigen Terrain – vor allem bei seinem Besuch des Marien-Wallfahrtsortes Muxima nordöstlich von Luanda am Sonntag. Dort bauten die Portugiesen 1599 am Ufer des Cuanza ein Fort und eine Kirche. Über den Fluss lieferten ihnen afrikanische Sklavenjäger bereits versklavte Menschen, die an diesem Ort getauft wurden, bevor es über den Atlantik ging, vor allem auf die Plantagen der Kolonie Brasilien.
Ausbeutung alternativlos?
Diese Region Afrikas erlitt den größten Menschenverlust durch Sklavenhandel, vier bis sechs Millionen Menschen sollen es gewesen sein. Menschenhandel, betrieben als portugiesisch-afrikanisches Gemeinschaftsprojekt zum Reichwerden.
Am Prinzip hat sich seit Ende des Sklavenhandels (im Fall Portugals 1834) nichts geändert. Papst Leo sieht „mächtige Interessen“, die nach den materiellen Reichtümern Angolas griffen. Eine ausbeuterische Logik nähre ein Entwicklungsmodell, das vorgebe, „sich als einzig mögliche Lösung durchzusetzen“.
