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„Jetzt sag doch endlich was“: Ein Stotterer erklärt seine Pausen

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10.02.2026

Etwa jeder hundertste Mensch stottert. Hierzulande sind es insgesamt reichlich 800.000 Leute, ein Prozent der Bevölkerung. David Hugendick hat das freundlicherweise einmal umgerechnet: Es gibt mehr Stotterer in Deutschland „als zum Beispiel Ferrari-Besitzer. Mehr Stotterer als Profifußballer. Auch mehr Stotterer als Hochschulprofessoren, und die trifft man ja dann und wann“.

In seinem Buch „Jetzt sag doch endlich was“ umkreist der Autor, geboren 1980 in Bremerhaven, Redakteur der Wochenzeitung Die Zeit, sein … Problem? Sein Handicap? Sein auffälliges Anderssein? Unsicher, wie er das Stottern nennen soll, schlägt er ganz unterschiedliche Begriffe vor. Sie lassen die persönliche Fallhöhe ahnen, in die er je nach Situation kommt: Defekt, Dysfunktion, Fehler, Krankheit, Gebrechen, Schaden, Knacks. Nach wissenschaftlicher Definition ist es eine neurophysiologische oder Redeflussstörung.

Nicht jeder stottert gleich, kein Stotterer stottert immer. Wer aber nach der Pubertät noch davon betroffen ist, wird es nicht mehr los. Und da gehe es den Stotterern, lernte der Autor von einer Sprechtherapeutin, wie den Alkoholikern. Er erklärt die logopädisch diagnostizierten drei Formen der Sprechstörung und beschreibt auch, wie sich das Problem bei ihm selbst im Moment des Sprechenwollens darstellt. Einmal erinnert er sich an seinen Versuch, ein Stückchen aus Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ laut vorzulesen – und beim ersten „die“ am D hängenblieb. Für uns Leser hat er die Pause übersetzt in Buchseiten. Es sind drei.

Das D ist ein........

© Berliner Zeitung