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Jüdische Gemeinde Chabad Berlin: Streetfood-Festival Koscherlicious lockt mehr als 2000 Besucher an

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23.03.2026

Kinder rennen zwischen den Ständen umher, aus den Lautsprechern mischen sich Klezmer-Klänge mit modernen Beats, Partytexte auf Jiddisch und Hebräisch wehen über das Gelände. Es duftet nach Zimt, Kaffee und Hummus. An den Tischen prosten Männer mit Kippa und Zizit und natürlich auch die Frauen ihren deutschen Freunden zu: „L’Chaim – auf das Leben!“

Mehr als 2000 Menschen kamen am Sonntag, dem 22. März 2025 – dem 5. Nisan 5786 nach jüdischem Kalender – zum koscheren Streetfood-Festival Koscherlicious der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin.

Koscherlicious: Jüdische Gemeinde lädt ganz Berlin zum gemeinsamen Food Festival ein

Pears Jüdischer Campus: Ein Meilenstein für Berlin

Veranstaltungsort war der Pears Jüdische Campus an der Westfälischen Straße in Berlin-Wilmersdorf, dem ersten jüdischen Campus in Deutschland seit dem Holocaust. Wie die Berliner Zeitung berichtete, wurde er im Juni 2023 feierlich eröffnet. Der Campus beherbergt eine Schule, einen Kindergarten, Theater- und Musikräume sowie eine Sporthalle und versteht sich als offenes Haus für alle Berlinerinnen und Berliner.

Challah-Workshop, Mazze-Bäckerei und Hüpfburgen

Die Veranstaltung, die bereits zum dritten Mal stattfand und zum zweiten Mal unter dem Namen „Koscherlicious“ firmierte, bot weit mehr als ein gewöhnliches Streetfood-Festival. Im großen Foodcourt reichte das kulinarische Angebot von Schawarma und Falafel über zentralasiatischen Plow und Sushi bis hin zu gehobener Küche und koscheren Supermarktprodukten – ein Beweis dafür, dass koschere Küche in nahezu allen kulinarischen Traditionen ihren Platz finden kann.

Neben dem Essen gab es ein breites Rahmenprogramm: In einem Challah-Backworkshop konnten Besucher das traditionelle Hefezopfbrot selbst flechten und backen. Für die Kinder stand eine Mazze-Bäckerei bereit, in der sie das ungesäuerte Fladenbrot herstellen konnten, das im Judentum vor allem zu Pessach gegessen wird. Hüpfburgen sorgten für zusätzliche Unterhaltung bei den jüngsten Gästen.

An Ständen mit Judaica – jüdischer Kunst und Handwerkswaren – konnten Besucher unter anderem Mesusot erwerben. Dabei handelt es sich um kleine Kapseln mit handgeschriebenen Pergamentrollen, die gläubige Juden an ihren Türpfosten befestigen, um an die göttlichen Gebote zu erinnern.

„Ask a Rabbi“ – Fragen, die man sich sonst nicht traut

Am Eingang hatten drei junge Männer mit Bart und Hut einen Stand aufgebaut: „Ask a Rabbi“ stand auf dem Schild. Das Angebot wurde rege genutzt. Ein junger Mann von der benachbarten evangelischen Gemeinde, der an diesem sonnigen Sonntag einfach bei den Nachbarn vorbeischauen wollte, löcherte Rabbi Yehuda Teichtal mit Fragen: „Sind Gewürze eigentlich koscher? Was passiert, wenn Insekten darauf gelandet sind? Stimmt es, dass sie dann nicht mehr koscher sind?“ In diesem geschützten Rahmen konnten Besucher Fragen stellen, die sie sich andernorts vielleicht nicht trauen würden.

Die Atmosphäre wirkte dabei weniger wie ein klassisches Stadtfest, sondern eher wie ein Besuch bei einer großen Familie – herzlich, offen, ungezwungen. Manche Besucher waren sichtlich zurückhaltend, kamen dann aber schnell ins Gespräch. „Man wollte mal schauen, was dieses Koscher eigentlich ist“, sagte ein Gast.

Dunkelheit beklagen und sich darin einrichten, oder einfach mal das Licht anmachen?

Koscher Food bei der Jüdischen Gemeinde Chabad

Rabbiner Yehuda Teichtal, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, hatte im Vorfeld gegenüber der Berliner Zeitung betont, warum gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für ein solches Fest sei: „Gerade jetzt ist es wichtig, positive Anlässe zu schaffen, bei denen Menschen zusammenkommen, sich begegnen und miteinander ins Gespräch kommen.“ Wo gemeinsam geschmeckt und genossen werde, würden Vorurteile abgebaut und das Gemeinsame gestärkt, so Teichtal. Am Ende dieses Sonntags schien genau das gelungen zu sein.


© Berliner Zeitung