Vier Jahre Ukraine-Krieg – eine Standortbestimmung
Russland setzt auf Zermürbung und Angriffe auf zivile Infrastruktur, hat aber seine Kriegsziele von 2022 nicht erreicht.
Die Ukraine hält mit westlicher Waffenhilfe stand, leidet aber unter hohen Verlusten und massiven Angriffen auf die Zivilbevölkerung.
Ein rascher Friedensschluss ist unwahrscheinlich, die Fronten sind verhärtet und die Verhandlungen stagnieren.
- 350.000 getötete russische Soldat:innen laut NATO seit 2022
- Über 100.000 tote ukrainische Soldat:innen laut US-Expert:innen
- Millionen Binnenvertriebene und tausende tote Zivilist:innen in der Ukraine
- Temperaturen in Kiew bis zu minus 20 Grad, viele Wohnungen ohne Heizung
Russland setzt auf Zermürbung und Angriffe auf zivile Infrastruktur, hat aber seine Kriegsziele von 2022 nicht erreicht.
Die Ukraine hält mit westlicher Waffenhilfe stand, leidet aber unter hohen Verlusten und massiven Angriffen auf die Zivilbevölkerung.
Ein rascher Friedensschluss ist unwahrscheinlich, die Fronten sind verhärtet und die Verhandlungen stagnieren.
- 350.000 getötete russische Soldat:innen laut NATO seit 2022
- Über 100.000 tote ukrainische Soldat:innen laut US-Expert:innen
- Millionen Binnenvertriebene und tausende tote Zivilist:innen in der Ukraine
- Temperaturen in Kiew bis zu minus 20 Grad, viele Wohnungen ohne Heizung
Welche militärischen Ziele verfolgt Russland vier Jahre nach Kriegsbeginn?
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Es geht Moskau nicht um große Entscheidungsschlachten, sondern um eine langsame, stetige Zermürbung des Gegners. Russland kann den entscheidenden, raschen Stoß nicht setzen, deshalb soll der Gegner systematisch und langsam „abgewürgt“ werden. Auch durch Angriffe auf zivile Ziele und zivile Infrastruktur. Parallel dazu rücken russische Streitkräfte unter Inkaufnahme enormer Verluste im Osten der Ukraine schrittweise vor. Ein Fazit ist, dass Russland seine minimalen Kriegsziele des Jahres 2022 nicht erreicht hat. Immer wieder können die Ukrainer:innen militärische Erfolge für sich verbuchen. Die Führung in Moskau ist wütend, sieht den Kriegsverlauf als schmerzhafte Blamage, die es zu tilgen gilt.
Wie viele Soldat:innen sind in dem Krieg bereits getötet worden?
Die russischen Verluste auf dem Schlachtfeld sind viel höher als die ukrainischen. Die NATO, die die Ukraine unterstützt, spricht von 350.000 getöteten russischen Soldat:innen seit Kriegsbeginn, die Zahl der Verletzten ist um ein Vielfaches höher. Moskau nennt keine Zahlen, aber der Blutzoll ist zweifellos erschreckend. Im Fall der Ukraine gehen US-Expert:innen von mehr als 100.000 Toten aus. Auch hier gibt es keine genau überprüfbaren Angaben, beide Kriegsparteien behandeln Verlustzahlen als Verschlusssache. Werden Zahlen genannt, entsprechen sie nicht der Wahrheit.
Was kann die Ukraine Russland militärisch entgegensetzen?
Die Ukraine kann dem russischen Druck standhalten, solange es mit westlichen Waffen – in erster Linie stammen diese aus den USA – versorgt wird. Militärexpert:innen gehen davon aus, dass bei einem kompletten Wegfall der US-Lieferungen die Ukraine weiterhin Widerstand leisten könnte, allerdings eingeschränkt und nur dann, wenn die Europäer massiv in die Bresche springen. Den Ukrainer:innen spielt in die Hände, dass sie auf den Schlachtfeldern mit technologisch moderneren Waffensystemen und flexibleren Taktiken als der russische Gegner kämpfen. Und, dass die ukrainischen Soldati:innen zwar über eine sinkende, aber im Vergleich zu Russland immer noch höhere Kampfmoral verfügen.
Wie geht es der Zivilbevölkerung in der Ukraine?
Seit Beginn des russischen Angriffs sind tausende Zivilist:innen durch Raketen oder Drohnen getötet worden. Es gibt Millionen Binnenvertriebene, die Menschen leiden unter Hoffnungslosigkeit, Zerstörung, Gewalt und Angst. Russland greift gezielt die Energie-Infrastruktur an, überall im Land sind die Menschen von Stromabschaltungen betroffen und frieren in der klirrenden Kälte. In der Hauptstadt Kiew hat es teilweise Temperaturen von minus 20 Grad, tausende Wohnungen sind nicht oder nur zu bestimmten Zeiten beheizbar. Der Militärexperte des Bundesheeres, Matthias Wasinger, spricht von Terrorangriffen gegen die Zivilbevölkerung.
Wie wahrscheinlich ist ein rascher Friedensschluss?
Nicht wahrscheinlich. Zuletzt fanden unter Vermittlung der USA Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine in Abu Dhabi statt. Diplomaten betonen, dass ein schnell erreichbarer Friedensvertrag eine Illusion ist, von der man sich im Westen verabschieden muss. Vielmehr könne man im besten Fall vom Beginn eines langen Prozesses sprechen, der in der Zukunft zu einer Lösung führen könnte. Die Vorstellungen sind zu weit auseinander. Die Gebietsforderungen Russlands, der geforderte Rückzug der ukrainischen Streitkräfte aus der gesamten Region Donezk und Luhansk kommen für Kiew einer Kapitulation gleich. Die Ukraine hat das Leben vieler tausender Soldaten geopfert, um diese Gebiete zu verteidigen. Russland sieht sich militärisch im Vorteil und ist weiterhin bereit, zehntausende Menschen für kleine Gebietsgewinne zu opfern. Die russische Bevölkerung will zwar mehrheitlich ein Ende des Krieges, hat aber vorerst keine Einflussmöglichkeiten auf Entscheidungen, die im Kreml getroffen werden.
Was bedeutet das alles für uns in Österreich?
Der brutale Krieg in der Ukraine und die Tatsache, dass Europa unter einem US-Präsidenten Donald Trump nicht mehr auf die Hilfe durch Washington bauen kann, hat ganz klar auch Auswirkungen auf uns. Die meisten EU-Länder sind dabei, zur Abschreckung Russlands ihre Verteidigungsfähigkeit auszubauen, so auch Österreich. Es fließen zusätzliche Milliarden in das Bundesheer und der Wehr- und Zivildienst soll verlängert werden. Das betrifft potentiell alle männlichen jungen Menschen in Österreich. Die Wahrscheinlichkeit, dass Europa demnächst einem militärischen Angriff Russlands ausgesetzt sein wird, ist eher gering, längerfristig schwebt dieses Damoklesschwert aber über uns. Schon jetzt führt Russland einen verdeckten Krieg gegen Europa, der sich durch gezielte Desinformations-Kampagnen und Cyberattacken auszeichnet.
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