Macht ersetzt nicht das Recht – sondern bedingt es
10. Januar 2026 | Jörg Nackmayr
Erdöl, Gold, KI und Trägerkampfgruppen – zur Geopolitik einer Ordnung mit zwei Gesichtern. Eine Debatte über das Spannungsverhältnis von Macht und Recht zwischen Burghard Jepsen und Jörg Nackmayr
Unsern Autoren Jörg-Dietrich Nackmayr und Burghard Jepsen ziehen unterschiedliche Folgerungen aus der aktuellen Geopolitik. Die Position von Jepsen finden Sie hier.
VON JÖRG-DIETRICH NACKMAYR
“Is politics really the entertainment division of industry?” (angelehnt an Frank Zappa)
Die Kritik an machtpolitischem Handeln beruht auf einer normativen Annahme, die historisch nicht haltbar ist: der Vorstellung, internationale Politik könne dauerhaft regelbasiert funktionieren. Eine solche Ordnung hat jedoch nie existiert. Sie war stets Idealbild, nie Realität.
Internationale Politik folgt nicht den Logiken innerstaatlicher Rechtsordnungen. Sie kennt keine übergeordnete Durchsetzungsinstanz, kein Gewaltmonopol, keine letzte Autorität. In diesem anarchischen Raum wirkt Macht nicht als Störung des Rechts, sondern als dessen notwendige Bedingung. Wo Macht fehlt, bleibt Recht folgenlos.
Völkerrecht entfaltet nur dort........
