„Keine Könige“: Widerstand gegen US-Präsident wächst
Das Weiße Haus spielt die Massenproteste in den USA als „Hass gegen Amerika”-Kundgebungen herunter. Die geschätzt acht Millionen Menschen, die am Wochenende von New York und Washington über Chicago und Minneapolis bis nach Houston und Los Angeles auf die Straße gingen, hätten ihr „Trump-Verwirrungs-Syndrom” therapiert. Tatsächlich handelte es sich bei den „No-Kings”-Kundgebungen in mehr als 3.000 Städten um die größten Proteste seit Beginn der zweiten Amtszeit Donald Trumps.
Und sie schwappten sogar nach Europa. Denn auch in München Menschen folgten auf dem Odeonsplatz bis zu 600 Menschen dem Aufruf der Organisation „Democrats Abroad“. Die Demonstranten wollten mit ihrer Aktion ein Signal setzen für Demokratie und das Prinzip, dass auch politische Führungspersonen nicht über dem Gesetz stehen dürfen.
Nicht so leicht ignorieren kann der Präsident die lautstarke Kritik im eigenen „Make-America-Great-Again”-Lager, die beim CPAC-Jahrestreffen in Grapevine im Bundesstaat Texas zu hören war. Ein viertägiges Festival von MAGA-Anhängern, das am Tag der „No-Kings”-Proteste zu Ende ging. Dort traten tiefe Risse über den Krieg im Iran und das Verhältnis zu Israel zutage.
Donald Trump fehlte als Hauptredner
Als hätte er es geahnt, fehlte Trump zum ersten Mal seit neun Jahren als Hauptredner der viertägigen Veranstaltung. Ein Auftritt des Präsidenten hätte daran erinnert, wie ihm vor drei Jahren die CPAC-Delegierten zujubelten, als der damalige Kandidat versprach, Amerika aus „endlosen Kriegen” herauszuhalten. Ein Jahr später legte er nach. „Es ist meine Hoffnung, dass mein größtes Vermächtnis das eines Friedensbringers sein wird”, versprach er, „nicht das eines Eroberers”.
Jetzt tut Trump genau das Gegenteil. Zusammen mit Israel griff er vor einem Monat den Iran an. Die Enttäuschung über sein gebrochenes Versprechen war bei den CPAC-Delegierten vor den Toren der Ölmetropole Dallas spürbar. Obwohl lautstarke Kritiker wie Tucker Carlson, Megyn Kelly oder der Podcaster Joe Rogan fehlten, gab es andere Redner, die keinen Hehl aus ihrem Frust machten.
Was Steven Bannon an Trump kritisiert
Etwa Steve Bannon, der ehemalige Chefstratege Trumps und Vordenker der MAGA-Bewegung. Bannon beschuldigte Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, Trump in einen „Regimewechsel-Krieg” hineingetrickst zu haben.
Was die rechten Kriegsgegner eint, ist ihre offene Kritik an Israel, die von Lobbygruppen wie AIPAC als „antisemitisch” gebrandmarkt wird. Die MAGA-Isolationisten weisen das zurück und berufen sich auf den amerikanischen Außenminister Marco Rubio. Der hatte zu Beginn des Krieges gesagt, die USA hätten angreifen müssen, um Israel zuvorzukommen.
Der Ton vieler Trump-Kritiker ist zweifelsohne giftig. Der ehemalige Fox-Moderator Carlson nannte die Angriffe auf Iran in seinem populären Podcast „absolut widerlich und böse”. Sie seien geschehen, weil „Israel es so wollte”. Mit Joe Kent haben die MAGA-Rebellen nun auch einen Märtyrer, um den sie sich scharen können. Kent trat zu Beginn des Krieges als Antiterror-Chef der Regierung zurück. In seinem Rücktrittsschreiben behauptete er, die Vereinigten Staaten von Amerika seien „aufgrund des Drucks von Israel und seiner mächtigen amerikanischen Lobby” in den Krieg hineingezogen worden.
Viele in der Maga-Bewegung haben eine negative Meinung von Israel
Diese Sicht ist vor allem unter jungen Männern in der MAGA-Bewegung populär. Umfragen zeigen, dass die Hälfte der Republikaner unter 50 Jahren eine negative Meinung von Israel hat.
Wie fließend die Grenze zwischen Israel-Kritik und offenem Antisemitismus verläuft, zeigt der Fall des Rechtsextremen Nick Fuentes, der kürzlich bei Tucker Carlson auftrat. Er hetzt offen gegen Israel und rief seine Anhänger dazu auf, bei den Zwischenwahlen gegen die Republikaner zu stimmen.
Es fliegen die Fetzen
Noch steht eine Mehrheit der CPAC-Aktivisten laut einer inoffiziellen Umfrage beim Iran-Krieg hinter Trump. Aber in der MAGA-Familie fliegen die Fetzen. Wobei die Unterstützer Trumps mit mindestens ebenso harten Bandagen zurückschlagen.
Der evangelikale Prediger Franklin Graham stichelte gegen „Leute mit Podcasts”. Die seien nur darauf aus, mit Kontroversen Klicks zu generieren. Der Kolumnist Ben Shapiro nannte die Kriegsgegner „Feiglinge, Lügner und Amerika-Hasser”. Und Radiotalker Levin hält den Kriegsgegnern vor, „rechts-woke antiamerikanische Juden-Hasser” zu sein.
Der Gegenwind von rechts muss Trump besorgen. Er trägt zu den mit 36 Prozent derzeit schwächsten Umfragewerten seiner Amtszeit bei. Der Präsident reagiert auf den Protest von links und rechts mit Ausgrenzung. Während er die Teilnehmer der „No-Kings”-Demonstrationen als unpatriotische Linke denunziert, bestreitet er auf seinem PR-Kanal Truth Social schlicht, dass es einen Familienstreit gibt. „DIE GEHÖREN NICHT DAZU. MAGA, BIN ICH.”
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