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Apotheker schlagen Alarm! Weitere Schließungen drohen – und das würde viele Kunden betreffen

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23.03.2026

Die Schiebetüren der Apotheken öffnen sich nicht automatisch, das Licht bleibt aus. Wer am Montag, 23. März, ein Medikament abholen will, steht oftmals vor verschlossenen Türen. Denn viele Apotheken im Landkreis Konstanz beteiligen sich am bundesweiten Protesttag. So auch die Apotheken von Inhaber Murat Baskur und Daniel Hölzle. Mit dem Protest wollen sie ein Zeichen setzen und aufmerksam machen. „Aber ohne die Menschen vor den Kopf zu stoßen“, sagen sie.

Honorar ist seit 2013 unverändert

Ein großes Problem für die Inhaber ist das Honorar pro rezeptpflichtiger Arzneimittelpackung. Dieses ist seit 2013 unverändert und liegt bei 8,35 Euro. Das Honorar ist gesetzlich festgelegt. „Das macht bis zu 90 Prozent des Gesamtumsatzes einer Apotheke aus“, sagt Murat Baskur. Er ist Inhaber der Apotheke im Seerhein-Center, der Petershauser Apotheke und der Seeapotheke. Gleichzeitig seien die Kosten für Personal, Miete oder Energie in den vergangenen 13 Jahren um etwa 60 Prozent gestiegen.

„Uns geht es nicht darum, einfach mehr zu verdienen“, stellt Jörg Nothnagel, Inhaber der Apotheke am Berliner Platz in Singen, klar. „Sondern es geht uns darum, diesen Inflationsausgleich von den letzten Jahren zu bekommen, um halbwegs vernünftig wirtschaften zu können und kostendeckend arbeiten zu können.“

Neben der wirtschaftlichen Situation macht den Inhabern auch der Fachkräftemangel zu schaffen. Denn eine Apotheke zu betreiben, funktioniere nur im Team. Durch fehlendes Fachpersonal wachse zudem der Druck auf die verbleibenden Apotheken. „Ich hoffe nicht, dass weitere Apotheken in Konstanz schließen“, sagt Daniel Hölzle, Inhaber der Tiergarten-Apotheke in Konstanz und der Apotheke im Kaufland in Singen. „Ich wüsste nicht, wie ich diese zusätzlichen Kunden mit meinem Personal auffangen soll.“

Dass Apotheken tatsächlich schließen, zeigt ein Blick auf die Zahlen. In Baden-Württemberg gab es laut der Landesapothekerkammer zum Ende des Jahres 2025 noch 2087 Apotheken. 66 Apotheken mussten im Laufe des Jahres schließen. Allein in Singen waren es in den vergangenen zwei Jahren drei Apotheken. „Klar hat man immer Sorge um seine eigene Apotheke“, sagt Nothnagel. „Wenn die Honorierung nicht angepasst wird und die Kosten immer weiter steigen, weiß man nicht, wie es weitergeht.“

Die Folgen würden auch Patienten direkt spüren. „Wir können nur eine bestimmte Menge an Kunden pro Tag auffangen“, sagt Nothnagel – sowohl räumlich als auch personell. „Das bedeutet für Kunden dann entweder sehr lange Wartezeiten oder noch weitere Wege.“ Auch die Beratungszeit für die einzelnen Kunden leide darunter.

Hinzu kommt aus Sicht der Apotheker ein wachsender bürokratischer Aufwand. Viel Zeit, in der man früher Kunden beraten konnte, fließe heute in Verwaltungsaufgaben, sagt Nothnagel. Das bestätigen auch die Apotheker Hölzle und Baskur. Zusatzangebote wie Grippeimpfungen würden sich wirtschaftlich oft kaum lohnen. Zwar sei der Mehrwert für die Bevölkerung groß, für die Apotheke entstehe jedoch zusätzlicher bürokratischer Aufwand und Personal fehle an anderer Stelle.

Diese Apotheken mussten schließen

Auch in Singen sind Apotheken von Schließungen betroffen. Zuletzt schloss die Hohentwiel-Apotheke in bester Singener Innenstadtlage Ende des Jahres 2025 ihre Türen. „Die Politik macht die Apotheken kaputt“, sagte Inhaberin Faisa Younes damals dem SÜDKURIER. Zuvor mussten im Sommer 2025 die Ring-Apotheke in der Singener Ekkehardstraße und schon 2024 die Central-Apotheke in der Hegaustraße dichtmachen.

„Apotheke ist ein Luxus, den wir in Deutschland haben“

Gleichzeitig müssten Apotheken immer wieder investieren. Durch die hohen Kosten seien jedoch nur begrenzte Rücklagen möglich. Veränderungen wie die Einführung des E-Rezepts erforderten dennoch Investitionen. Den Inhabern ist es deshalb wichtig, die Zukunft planbarer zu machen. „Apotheke ist ein Luxus, den wir in Deutschland haben“, sagt Daniel Hölzle. Beratung ohne Termin, auf einem sehr hohen Niveau. Deshalb sei es eine Grundsatzfrage an die Politik, ob dieses System so erhalten bleiben solle.

„Wenn die Apotheken weiter abnehmen, weiter sterben, wird das direkt durchschlagen auf den Rest des Gesundheitssystems“, sagt Nothnagel mit Blick in die Zukunft. Dann fehlten Apotheken als erster Anlaufpunkt mit der geringsten Hemmschwelle für viele Menschen. „Der Alarmruf ist da“, sagt Daniel Hölzle. Und das sei der Grund für den Protest, so Murat Baskur.

Ganz geschlossen blieben allerdings nicht alle Apotheken. „Ganz geschlossen haben wir nicht, weil bei uns die nächste Notdienstapotheke auf der Höri ist“, sagt Nothnagel. Stattdessen bot er angepasste Öffnungszeiten an. Gleichzeitig nutzten viele Apotheken den Tag, um Kunden über ihre Situation zu informieren.

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