So wenig Verletzte wie seit Jahren nicht – aber wieder mehr Schiffsunfälle auf dem See
Die tödliche Bootskollision auf dem Bodensee ist jetzt Teil einer Statistik. Im Oktober starb eine Frau rund drei Kilometer nördlich vom schweizerischen Altenrhein, weil ein Motorboot ungebremst in ihr Segelboot gekracht war. Seitdem wird gegen den Fahrer des Motorbootes ermittelt. Alkohol sei nicht im Spiel gewesen. Noch immer ist die Unfallursache aber ungeklärt, wie eine Nachfrage des SÜDKURIER bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch ergab. Im Laufe der Ermittlungen hätten sich demnach weitere offene Fragen ergeben, die ein Sachverständiger klären muss.
Der Tod der deutschen Frau sollte aber der einzige bei Schiffsunfällen bleiben. Das geht aus der Jahresbilanz der Wasserschutzpolizeien am Bodensee hervor. Diese ziehen ein durchwachsenes Fazit. Zwar sei die Gesamtunfallzahl mit 172 Unfällen auf dem Bodensee insgesamt gesunken, die Zahl der Schiffsunfälle, zu denen auch die Bootskollision zählt, aber im Vergleich zum Vorjahr (137 Unfälle) mit 146 Unfällen wieder gestiegen. Auch die Seenotrettung musste häufiger ausrücken. Die Einsätze stiegen von 319 auf 462, dabei mussten 479 Personen gerettet werden.
Weniger Tote am Bodensee
Eine erfreuliche Entwicklung ist aber die Zahl der tödlichen Unfälle auf dem Bodensee. Wo im vergangenen Jahr 17 Menschen ihr Leben lassen mussten, sind es in diesem Jahr elf. Baden-Württemberg liegt mit sechs verunglückten Personen wie im vergangenen Jahr an der Spitze, hat allerdings auch den mit Abstand größten Uferanteil am See. Einen Schatten über die Bilanz legt der tragische Zufall, dass am Tag der Vorstellung der Statistik eine weiterer toter Mensch im Bodensee gefunden wurde. Im Bereich der Marienschlucht wurde eine Person tot aus dem Wasser geborgen.
Verletzte hingegen gab es in dieser Saison so wenig wie noch nie in den vergangenen zehn Jahren. Das könnte daran liegen, dass die Wetterverhältnisse in der ersten Jahreshälfte für den Wassersport nicht sehr freundlich gewesen seien. „Es wäre schön, wenn das an der starken Präsenz der Einsatzkräfte auf dem See liegen würde“, sagt der Thurgauer Seepolizei-Dienstchef Marcel Kuhn. Immerhin seien seine Schweizer Kollegen rund 200 Stunden mehr auf dem Gewässer unterwegs gewesen. „Wahrscheinlich liegt es aber eher daran, dass es weniger große Sturmereignisse hatte, die schnell für viele Verletzte sorgen. Wir hatten eine grundsätzlich ruhige Saison“, sagt Kuhn.
Und auch die Thurgauer Polizeitaucher hatten alle Hände voll zu tun: Die Anzahl der Einsätze stieg von 13 im Vorjahr auf 20. Ein Einsatz blieb dabei sicherlich am meisten in Erinnerung. Ende des Jahres rückten Polizeitaucher vor Romanshorn an, um die seit Jahren verschollene Gin-Kugel zu bergen.
Ratschläge der Polizei für die Wassersportsaison 2026
Die See- und Wasserschutzpolizeien raten Gäste am Bodensee dazu, rechtzeitig Rettungsmittel wie Westen anzuziehen. Außerdem sollte die Wetterlage und die Wetternachrichten gut im Blick behalten werden. Dazu gehört auch die Beachtung der Starkwind- und Sturmwarnleuchten am Bodensee. Bei Notfällen auf dem Bodensee ist der internationale Notruf 112 zu wählen oder den Notrufkanal 16 auf UKW-Funk. Wassersportler sollten sich über geltende Vorschriften, insbesondere auch im Hinblick auf die Fahrtauglichkeit, informieren. Als Schiffsführer sollte man auf den Konsum von Alkohol und Drogen verzichten. Außerdem sollten an Bord etwa Stolperfallen vermieden werden. Auf dem Hochrhein ist ein ausreichend großer Abstand zu Kursschiffen und Wiffen geboten. Am besten sollte man in der Nähe des Flussufers bleiben.
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