Schöne neue Welt in vielen Facetten
Ins Theater gehen und dabei nichts sehen? Das Stück „To be and not to see" des Teatro International Ulm fragt, was passiert, wenn mit dem Sehen der wichtigste Sinn im Theater wegfällt. Das Seniorentheater „Überholspur“ plädiert in „Unerhört! Inaudito! Sex im Alter - ein Tabu“ für mehr prickelnde Erlebnisse. In einem Science-Fiction-Abenteuer geht das Ensemble CL 20 aus Heidelberg der Frage nach, ob fehlende Wut ebenso viel Schaden anrichtet wie ihr Überborden. Die Omas gegen Rechts aus dem Bodenseekreis stellen sich und ihre Themen in einem Forumtheater zur gespielten Diskussion. In „Käse.Kotze.Kunstblutbeutel“ vom TheaterPUR aus Rottenburg berichtet eine Requisiteurin über skurrile Erlebnisse hinter den Kulissen.
Von 24. bis 29. März finden die 41. Theatertage am See statt. Sie bringen in 23 Aufführungen Jugend- und Schultheater sowie Amateurtheater auf die Bühne. Gastgeber ist die Bodensee-Schule, nur das Theater 15 nutzt ein Möbelhaus als Plattform. Informationen und Programm gibt es im Internet unter www.theatertage-am-see.de. Dort findet sich auch der Link zur Anmeldung für die Workshops. Kartenreservierungen sind per E-Mail an kartenservice@theatertageamsee.de und unter Telefon 01520/4269460 möglich. Veranstalter ist der Verein Theatertage am See.
Die 41. Theatertage am See zeigen Amateurtheater in zahlreichen Facetten. Das Motto ist „Schöne neue Welt“. In Anlehnung an Aldous Huxleys Roman fragen sie, was Menschen bestimmt, wer welche Zukunft im Blick hat, wo es Trennendes zu überwinden und Verbindendes zu entdecken gibt. „Wir legen das Motto immer ein Jahr vorher fest. Dabei versuchen wir, zu antizipieren, was gesamtgesellschaftlich geschieht. Wir fragen uns auch: Was hat es für ein Potenzial, um Theater zu schaffen? Es soll die Gruppen auch nicht zu sehr einengen“, erklärt Britta Lutz vom Leitungsteam.
Theaterclub stellt Heldinnen des Alltags in den Mittelpunkt
Besonders freut sie sich, dass in diesem Jahr der Theaterclub des Häfler Kulturbüros dabei ist. „Wenn wir das Programm machen, entwickelt der Theaterclub oft noch sein Stück und dann wissen wir nicht, ob es passt“, sagt Lutz. In diesem Jahr bringt der Club mit „Frauen. Geschichte auf die Bühne“ eine Fortsetzung des Programms der vergangenen Saison: Nach den Biografien bedeutender Frauen stehen Heldinnen des Alltags im Mittelpunkt.
Zum zweiten Mal dabei ist das Afera Dance Theatre Warschau. Der Titel seines Stücks „2384800“ verweist darauf, wie viele Zloty auf dem Schwarzmarkt für ein menschliches Organ gezahlt werden – umgerechnet sind es 563.973 Euro. Für die Theatergruppe ist das der Ausgangspunkt, sowohl dem Handel mit Organen als auch dem Wert menschlichen Lebens nachzuspüren.
Die Jugend- und Schultheatertage
Dem Amateurtheater vorgelagert sind die Jugend- und Schultheatertage. „Wir zeigen von Dienstag bis Freitagmittag beispielhafte Produktionen, hauptsächlich aus Baden-Württemberg“, sagt Lutz. Den Anfang machen die fünften Klassen der gastgebenden Bodensee-Schule. 85 Kinder verwandeln den Kinderbuch-Klassiker „Joschis Garten“ von Ursula Wölfel in ein Musical mit von Andreas Glatz komponierten Songs.
Das Ensemble plus aus Walldorf thematisiert die jugendliche Gegenwart zwischen Gefühl und Digitalem. Klassischen Themen nähern sich das Erfurter Theater am Ratsgymnasium und die Theater-AG des Kepler-Gymnasiums Pforzheim. Die Erfurter stellen sich vor, wie sich die Soldaten im Bauch des trojanischen Pferds die Zeit vertrieben. Die Pforzheimer versetzen die Geschichte des Prometheus ins heutige Schulsystem.
Sowohl im Jugend- als auch im Erwachsenenprogramm läuft das Stück „Stimmen“ der Blickwechsel Theaterwerkstatt Haar. Die Jugendlichen setzen sich mit der Geschichte ihres Schulorts auseinander – in der früheren Heil- und Pflegeanstalt wurden im Nationalsozialismus systematisch Menschen ermordet. Die Jugendlichen recherchierten monatelang zu Opfern, Widerstand und Vergangenheitsbewältigung. Im Stück leihen sie den Ermordeten ihre Stimmen und stellen als Kollektiv Mechanismen von Stigmatisierung und Gleichschaltung dar.
Wegen der unsicheren Reiselage aufgrund des Kriegs im Iran hat das Guang Ming Theatre Ensemble von den Philippinen seine Teilnahme und die Aufführung des Stücks „Mermaids in the City" abgesagt. In ihrer E-Mail schreibt die Gruppe, das Motto des Theaterfestivals habe sie inspiriert, vor Ort weiterzumachen: „In Zeiten des Konflikts entscheiden wir uns für Schöpfung statt Zerstörung. Möge Ihr Festival ein Ort bleiben, an dem Kunst Menschen zusammenbringt, unsere gemeinsame Menschlichkeit würdigt und uns daran erinnert, dass Mitgefühl immer stärker sein muss als Gewalt.“
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