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Ein Leben für die Bienen: Theo Jordan ist seit unglaublichen 90 Jahren Mitglied im Imkerverein

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04.04.2026

Vor wenigen Tagen wurde der 97-jährige Theo Jordan aus Gurtweil vom Imkerverein Waldshut-Tiengen für „90 Jahre Mitglied“ geehrt, eine rekordverdächtige Jahreszahl. Mann könnte ihm den Namen Imkerkönig verleihen, aber das wäre dem engagierten Sammler des Bienengold nicht recht.

Lehrer weckt in ihm das Interesse an den Bienen

Als junger Schulbube im Alter von knapp acht Jahren wurde Theo Jordan während seiner Beobachtungen in den Schulpausen vom Treiben der fleißigen Bienen im Schulgarten am Bienenhäuschen seines damaligen Dorfschullehrers Josef Wiehl für die Imkerei inspiriert. Das Bienentreiben habe ihn fasziniert, sagt Jordan. Und er erzählt weiter, dass Lehrer Wiehl ein Experte für Bienenzucht war und im Dorf auch als „Bienenvater“ benannt wurde. Und wie es im Lied vom „Armen Dorfschulmeisterlein“ heißt, erzählt Jordan, dass damals die Welt des Lehrerdaseins noch eine andere war als heute und Jordan ergänzte: „Die Besoldung des Lehrers war damals sehr bescheiden“, deshalb musste das Dorfschulmeisterlein nebenher ein Zubrot verdienen.

Und irgendwann habe dann sein Lehrer, der damals auch Vorstand beim Imkerverein Tiengen war, den Schulbuben Theo angesprochen, ob er denn Interesse an Bienen habe. Die Antwort war klar und schon besorgte ihm daraufhin Lehrer Wiehl ein erstes Bienenvolk und nahm seinen Schüler in den Imkerverein auf. „So hat das angefangen“ berichtet Jordan sehr anschaulich und ausführlich.

Nachbar hilft beim Schleudern des ersten Honigs

„Mein Vater hat mich sehr unterstützt“, habe aus altem Holz einen Bienenstand gezimmert und auf dem elterlichen Hofgelände am Mühlebach aufgestellt. Und schon bald kam dann die „Bienenschwester aus dem Schloss“ auf den jungen Jordan zu und fragte, ob er ihr beim Imkern helfen könne. Für das Helfen bekam er dann von ihr einen weiteren Bienenschwarm. Den ersten Honig konnte Jordan dann mit der Honigschleuder seines Nachbars, „dä Pauli Sepp“, gewinnen. So begann ein „lebenslanger Lernprozess“, sagt Jordan weiter.

Der Zweite Weltkrieg stoppte zunächst die Imkerkarriere, denn als 16-Jähriger wurde Jordan zum Heimatschutz eingezogen und wurde bald an die Kriegsfront in Frankreich beordert und kam dort dann bald in Gefangenschaft. Unter Lebensrisiko flüchtete er im Frühjahr 1945 mit einem Kameraden von Belfort durch Wald und Feld zurück in die Heimat, wo er sich noch länger im elterlichen Haus versteckt halten musste.

Mit Ross und Leiterwagen zu den Bienenvölkern

Erst nach Kriegsende konnte Jordan sich wieder der Imkerei widmen und gründete zusammen mit befreundeten Imkern aus Gutenburg, Bürglen, Indlekofen, Weilheim und Aichen den „Imkerverein Burgfels“ in Anlehnung an die Gutenburg. Die wenigen Bienenvölker aus alten Beständen habe man „z´sämmeramüsiert“, also dort geholt, wo immer es möglich war.

Spannend erzählt Jordan, wie man einst mit Ross und Leiterwagen in den Sommermonaten mühsam durchs Schlüchttal nach Leinegg im Schwarzatal fuhr, um dort die Bienen den teuren, begehrten Weißtannenhonig sammeln zu lassen. Zum Ärger der Imker zählte schon immer der Diebstahl von Bienenvölkern oder vom wertvollen Honig als Schandtat. Hingegen hat sich Theo Jordan immer auf den Badischen Imkertag gefreut, an dem mit Kollegen Neuigkeiten und Geheimnisse rund um die Biene ausgetauscht wurden.

Und er ergänzt, dass es immer ein tolles Erlebnis war und ist, wenn Bienenvölker ausschwärmen, wenn sie wie ein Wasserfall aus dem Flugloch herauskommen und Tausende von Bienen mit der Bienenkönigin dann in der Luft schwirren, sich an einem Baum sammeln oder auch mal ganz verschwinden. Früher, so erzählt Jordan noch, sei der Honigpreis mit dem Butterpreis gekoppelt gewesen, d. h. 500 Gramm Honig kostete Ende der 50er Jahre etwa fünf Mark, also etwa 2,50 Euro.

So ging die frühe Imkerei eine Zeit lang weiter. Die Honigsaison beginnt im Frühsommer mit dem Blütenhonig, im Sommer wurde Tannenhonig, im Herbst Akazienhonig gesammelt und im Winter herrschte Ruhe vor. Letztlich stabilisierte sich trotz aufkommender Sorgen um die bienenschädliche Varroamilbe das Imkerleben und Theo Jordan verbesserte laufend seine naturnahe Bienenhaltung, beließ es aber beim Hobby und erntete den Honig überwiegend für den Eigenbedarf und für den Bekanntenkreis.

Dann erzählt der Imker noch von weiteren Erlebnissen, von Wettereinflüssen auf die Imkerei, vom Einfangen ausgebüxter Bienenschwärme mit ihrer Bienenkönigin, von der Bekämpfung der Parasiten, vom „Wandern mit den Bienenvölkern“ und vieles mehr.

Theo Jordan ist Ehrenmitglied im Verein, erhielt fünfmal die Goldprämierung für seinen Honig und ist bis heute den Bienen treu geblieben. Er hat noch immer fünf Bienenvölker in seinem Bienenhaus am Landgraben, die er zusammen mit dem Mann seiner Enkelin betreut. Und klar: Theo Jordan genießt den Honig, das „süße Gold“, wie ein Schleckermaul. Was sich ein Imkerkönig auch uneingeschränkt gönnen darf.

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