Der VW-Chef verunsichert
„Nicht funktionierendes Geschäftsmodell“: VW-Chef Blume sorgt mit Aussagen für Verunsicherung
Der VW-Chef verunsichert
Sanierungserfolge können nicht verhindern, dass die Erträge des Konzerns enttäuschend ausfallen. Oliver Blume kündigt weitreichende Schritte an. Aber welche eigentlich?
Wolfsburg. Wenn der VW-Konzernchef über sein Unternehmen spricht, verliert er gern auch einen Satz zum großen Ganzen: So wie Volkswagen ein neues Geschäftsmodell brauche, so gehe es letztlich ganz Deutschland, sagte Oliver Blume am Dienstag, als er die Bilanz erklärte. Und natürlich hält er die Fortschritte der Wolfsburger auf diesem Weg für vorbildhaft und grundsätzlich nachahmenswert.
Besser den Ball flach halten
Der Ausgangspunkt ist nicht einmal falsch. Gemeinsam mit seiner Industrie hat sich das ganze Land an China-Boom, Nullzinsen und billigem Russland-Gas gewärmt. Und tatsächlich kann man auch VW zugutehalten, nach dem bösen Erwachen pragmatisch und entschlossen reagiert zu haben – in manchem Punkt überzeugender als die Politik.
Volkswagen steht vor weiteren Sparrunden
Erst Sanierung, jetzt Transformation: Europas größter Autokonzern plant den nächsten Umbau. Trotz stabiler Verkäufe hat sich der Gewinn beinahe halbiert. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Lage bei den Wolfsburgern.
Gerade jetzt sollte Blume den Ball allerdings lieber flach halten. Die bisherigen Sparprogramme bei VW reichen nicht. Das ist ein Jahr nach dem groß inszenierten Krach um die Kosten zwar ein bisschen peinlich, angesichts der Weltlage aber verständlich.
Doch der VW-Chef lieferte als Reaktion am Dienstag, was er der Politik selbst gern vorwirft: Verunsicherung und mangelnden Fokus. Von einem „nicht funktionierenden Geschäftsmodell“ ist die Rede und einem bevorstehenden „Transformationsprogramm“.
Größer geht es in der Unternehmenswelt eigentlich kaum, aber der Inhalt bleibt vorerst nebelhaft. Wenn die Umwälzung so groß ist wie die Worte, stehen wieder einmal unruhige Zeiten ins Haus. Oder ist sie so kleinteilig, wie manches bisher klingt? Dann kann es eng werden für Blume an der Spitze.
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Sicher ist jedenfalls neue Unruhe in einem Konzern, der sich stets so begeistert wie nur wenige andere mit sich selbst beschäftigt. An der Basis wird wieder die Sorge vor Entlassungen und Werksschließungen schwelen – und im Management wird man sich fragen, wie das denn nun ist mit dem Geschäftsmodell. VW hat ja anscheinend kein hinreichend aktuelles.
