Keine Bühne für Putin
Wie Russland über die Teilnahme bei der Biennale in Venedig den hybriden Krieg befeuert
Keine Bühne für Putin
Russland will an der Venedig-Biennale teilnehmen, erstmals seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine. Präsident Putin plant, sich bei dem Festival im Zentrum der Weltkultur zu präsentieren. Wer sich davon Diplomatie erhofft, ist naiv.
Hannover. Der russische Präsident versteht sich auf Inszenierung. Er empfängt westliche Politiker an einem einschüchternd langen Tisch oder präsentiert sich oben Ohne beim Fischen als starker Mann. Nun kapert Wladimir Putin eine neue Bühne: Ab 9. Mai will Russland erstmals seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine wieder an der Venedig-Biennale teilnehmen, dem wohl bedeutendsten Kunstfestival der Welt. Der russische Pavillon im spät zaristischen Zuckerbäckerstil wurde vom selben Architekten entworfen wie das Lenin-Mausoleum – die perfekte Kulisse für Putins Propaganda.
Der Widerstand ist groß, die EU streicht einen Zuschuss von zwei Millionen Euro. Die Diskussion ist nicht neu, aber muss immer wieder neu geführt werden - wie zuletzt vor den Paralympics, an denen russische Sportler teilgenommen haben.
„Diplomatie der Schönheit“
Der Biennale-Leiter schwärmt von einer „Diplomatie der Schönheit“, einer „kulturellen Waffenruhe in einer von Konflikten geprägten Welt“ - angesichts von Hunderttausenden Kriegstoten klingt das zynisch. Und naiv. Für den russischen Pavillon ist die Tochter eines Rüstungsunternehmens-Vizes verantwortlich. Wer von ihr Diplomatisches erwartet, verwechselt Friedenstaube und Bomber.
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Der Direktor der Staatlichen Eremitage nennt russische Ausstellungen im Ausland „kulturelle Spezialoperationen“ - Kunst ist ein Werkzeug des hybriden Kriegs. So ist es bezeichnend, dass Russland seine Biennale-Performance als „hybrides Format“ beschreibt. Das russische Motto „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“ steht sinnbildlich für die verdrehte Perspektive, mit der sich das Land als spirituelle Großmacht inszeniert. Man sollte Putin diese Bühne im Zentrum der Weltkultur nicht überlassen.
