Biontech verliert Herz und Hirn
Biontech verliert Herz und Hirn: Gründer-Ausstieg gefährdet Zukunft des Unternehmens
Biontech verliert Herz und Hirn
Uğur Şahin und Özlem Türeci verlassen Biontech. Der Rückzug der einstigen Gründer des Unternehmens sorgte auch an der Börse für Aufregung: Die Aktie stürzte deutlich ab. Die Zukunft des Unternehmens steht auf dem Spiel.
Die Entscheidung kam vollkommen überraschend: Uğur Şahin und Özlem Türeci, die beiden Gründer von Biontech, werden zum Jahresende das Unternehmen verlassen. Eine Schocknachricht, vor allem für die Börse: Die Aktie der Mainzer Firma stürzte nach der Ankündigung um gut 18 Prozent ab. Da half es auch nicht, dass Biontech zeitgleich seine guten Jahreszahlen für 2025 präsentierte (mit 2,9 Milliarden Euro Umsatz wurden die Prognosen leicht übertroffen).
Dieser Erfolg konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Biontech Hirn und Herz verliert. Denn Şahin und Türeci waren nicht nur Vorstandsvorsitzende - sie waren die wissenschaftlichen Köpfe, das Aushängeschild der Firma, die es 2020 geschafft hat, eine Pandemie mithilfe eines neu entwickelten Impfstoffs zu stoppen und so unzählige Menschenleben zu retten. Kaum ein anderes deutsches Unternehmen ist so eng mit seinen Gründern verknüpft. Mit dem Abgang von Şahin und Türeci verliert Biontech auch seine Gründungsgeschichte.
Steht Biontech vor einer Übernahme?
Kein Wunder also, dass sich viele Investorinnen und Investoren nun fragen, wie viel Innovationskraft Biontech ohne seine beiden Gründer noch bleibt. In diesem Jahr wird Biontech Prognosen zufolge wohl mehr ausgeben als einnehmen – nach einem Nettoverlust von bereits 1,1 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Die Milliardengewinne aus den Covid-19-Impfstoffverkäufen sind längst Geschichte. Seine Zukunft sieht Biontech in mRNA-Krebstherapien, von denen mehrere Kandidaten zurzeit die finalen klinischen Studien durchlaufen. Doch noch lässt der große Durchbruch, der dem Unternehmen zu neuem Wachstum verhelfen könnte, auf sich warten.
Manche Branchenexpertinnen und -experten spekulieren bereits, dass hinter dem Abgang von Şahin und Türeci eine baldige Übernahme der Firma stecken könnte. Bestätigt hat Biontech das bisher nicht. Mit seinen vielversprechenden Studien zu neuen Krebstherapien und seinem großen Know-how im Bereich der mRNA-Forschung wäre das Unternehmen auf jeden Fall ein attraktiver Übernahmekandidat.
So schwierig der Rückzug von Şahin und Türeci für Biontech ist, für die Wissenschaftler selbst ist es der richtige Schritt. Denn beide scheinen sich nicht mehr mit dem Werdegang der Firma identifizieren zu können: „Biontech geht in die nächste Lebensphase und bereitet sich auf ein industrielles Pharmamodell vor“, sagte Türeci dem „Handelsblatt“. „Das ist notwendig und sinnvoll – aber nicht das, wofür unser Herz schlägt.“
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Die Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen, zeigt einmal mehr den Gründergeist des Ehepaars. Sie klammern sich nicht an ihren Posten fest, sondern bestreiten neue Wege und nutzen ihre Stärken auf andere Weise. Eine Eigenschaft, die mehr Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland brauchen. Mit KI-gestützten mRNA-Therapien, die Kern ihres neuen Unternehmens sein sollen, setzen Şahin und Türeci nun auf ein Forschungsfeld mit viel Potenzial. Es dürfte wohl nur eine Frage der Zeit sein, bis sie erneut für eine Schocknachricht sorgen – dann hoffentlich positiver Art.
