Bergische Zusammenarbeit: Die Wahrheit steckt manchmal in einem Glückskeks
Bergische Zusammenarbeit: Die Wahrheit steckt manchmal in einem Glückskeks
Bergische Zusammenarbeit: Die Wahrheit steckt manchmal in einem Glückskeks
Von Schloss Burg über die Bundesgartenschau bis Sozialleistungsbetrug: Wenn man den Karren gemeinsam zieht, kommt man besser voran. Der steckt allerdings ziemlich tief im Schlamm, meint Kolumnist Stefan M. Kob
Liebe Leserinnen und Leser,
die Chinesen verstecken nicht nur Botschaften in Glückskeksen, sondern haben auch viele alte Weisheiten parat. Mit einer kam jetzt Kanzler Merz von seiner China-Reise zurück: „Ein Pferd spielt seine Stärke nicht allein aus, sondern indem es den Wagen gemeinsam mit anderen zieht.“ Ein Motto, wie gemacht fürs Bergische Städtedreieck. In allen drei Städten sitzen neue Chefs in den Rathäusern, die sich erst finden müssen. Vor allem auch zueinander.
Jeder Neuanfang bietet Chancen. Aus dem Wuppertaler Rathaus kommen erfrischend unbekannte Töne. Etwa, wenn die junge Oberbürgermeisterin Miriam Scherff sagt, dass die Bundesgartenschau 2031 zwar in Wuppertal stattfindet, aber man erfolgreicher wäre, wenn man regional denkt.
Erste Bewährungsprobe: Schloss Burg
Eine erste Bewährungsprobe der bergischen Kooperation liefert aktuell Schloss Burg. Das frisch herausgeputzte Juwel liegt zwar auf Solinger Stadtgebiet, gehört aber allen drei bergischen Städten. Die auch für den Unterhalt aufkommen. Irgendwie. Denn die entsprechenden Verträge stammen zwar nicht aus Graf Engelberts Zeiten, aber doch aus anderen längst untergegangenen Epochen.
Die Verantwortlichen haben gelernt: Mit dem letzten Pinselstrich der 55-Millionen-Euro-Sanierung beginnt der Verfall von vorn. Für Neues fließt Geld. Für den Erhalt selten. Dann müssen sich nachfolgende Generationen wieder ans Werk machen.
Teufelskreis zur Abwechslung einmal durchbrechen
Diesen Teufelskreis zur Abwechslung einmal zu durchbrechen, hat sich nun die Stadt Solingen vorgenommen. Dazu sollen die Städte erstens Rücklagen schaffen – ein Wort, bei dem die meisten Kämmereien nicht einmal wissen, wie es geschrieben wird. Zweitens muss die heutige hemdsärmelige Vertragskonstruktion professionalisiert werden. Denn bisher kümmert sich lediglich ein bemühter Verein um die millionenschwere Liegenschaft.
Einfach ausgedrückt sollen die drei bergischen Großstädte eine gemeinsame gemeinnützige Gesellschaft gründen. Diese Gesellschaft würde die Immobilie besitzen und mittels Rücklagen (siehe oben) dafür sorgen, dass alles so schön bleibt wie es jetzt ist.
Der Schlossbauverein hingegen tut das, was er sowieso am besten kann: Leben in die Bude bringen. Tolle Veranstaltungen, wie aktuell das Burg-Leuchten, sind sozusagen die Software des Burgbetriebs. Nur ein attraktives Veranstaltungsprogramm lockt die Leute in Scharen ins schöne Schloss.
Gemeinsam gegen kriminelle Betrüger
Ob der Plan trägt, zeigen die nächsten Beschlüsse. Denn Bemühungen, die Unterhaltung von Schloss Burg zu professionalisieren, gab es schon zu Zeiten eines Oberbürgermeisters Franz Haug. Schließlich handelt es sich nicht um irgendein Denkmal. Sondern um das Symbol der Identität des Bergischen Landes.
Bei einem weiteren wichtigen Thema wollen die bergischen Großstädte, ergänzt um Leverkusen und Langenfeld, ebenfalls zusammenarbeiten: gegen kriminelle Strukturen, insbesondere beim Leistungsmissbrauch. Die Betrüger sind hochprofessionell aufgestellt und machen vor Stadtgrenzen nicht halt. Im Gegensatz zur Staatsmaschinerie. Sich hier zu vernetzen, auszutauschen und koordiniert einzugreifen, ist dringend nötig. Nicht nur, um illegale Geldströme zu stoppen, sondern auch, um das Vertrauen in das Funktionieren unseres Gemeinwesens zu stärken.
Es gibt aber noch eine Menge weiterer bergischer Schätze zu heben. Auf Initiative des IHK-Präsidenten Henner Pasch gibt es seit Neuestem einen „Regional-Radar”. Dieses interkommunale Vergleichsportal für drei Großstädte ist bundesweit einmalig. Die fleißigen Mitarbeiter der Industrie- und Handelskammer haben dafür Kennzahlen für wichtige Bereiche zusammengetragen, die einen Vergleich der Städte untereinander und mit dem Landesdurchschnitt ermöglichen.
Gemeinsam den bergischen Karren ziehen
Darin finden sich spannende Erkenntnisse. Etwa dass ein Bauantrag in Wuppertal mehr als dreimal so lange dauert wie in Remscheid. Oder dass Solingen mit einer fantastischen Kita-Quote glänzt – auch landesweit. Oder dass Trinkwasser in der Klingenstadt doppelt so teuer ist wie bei den Nachbarn.
In den Tiefen der Stadtverwaltungen wird, davon kann man ausgehen, schon kräftig Beton angerührt, um Schutzwälle gegen die Durchsichtigkeit zu errichten. Und um von dort aus wortreich Salven abzufeuern, warum das alles überhaupt nicht vergleichbar ist.
Wenn ich Oberbürgermeister wäre, würde ich mich von den Beharrungskräften nicht beirren lassen. Sondern genau nachforschen, was die eine Kommune besser macht als die eigene. Um davon zu lernen. Eben den bergischen Karren gemeinsam ziehen. Denn der steckt ziemlich tief im Schlamm, wie der Radarschirm zeigt: In fast allen Bereichen liegen die drei Städte unter dem Landesdurchschnitt.
Ihr Stefan M. Kob, Kolumnist
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