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Machtverteilung in der Welt: Trump stellt Europa vor die Wahl – Kolonialisierung oder Selbstbehauptung?

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08.01.2026

Nach einer Amtszeit und einem Jahr in der zweiten braucht niemand mehr zu rätseln, wie Donald Trump die Welt sieht. Der US-Präsident denkt in den Schablonen der Großmachtpolitik des 19. Jahrhunderts. Er teilt sie in drei Einflusssphären ein: Die eine im Fernen Osten wird von China dominiert, die andere in Eurasien von Russland und die westliche Hemisphäre von den USA.

Europa spielt in seiner Vorstellung keine eigenständige Rolle, sondern ist eine Region, in der die USA mit Russland um Vorherrschaft ringen. Weil die Europäische Union mit ihrer Wirtschaftsmacht stört, zielt Trump auf ihre Schwächung ab. Mit einem zerstrittenen Bund kleiner Nationalstaaten hätte er leichtes Spiel.

An dieser Stelle überschneidet sich seine Sicht mit der des Kreml, dem die EU seit jeher ein Dorn im Auge ist. Von dort stammt auch das Konzept eines eurasischen Raums, den Russland als Hegemon kontrolliert. Strittig bleibt, wo die Grenze zwischen den Einflusssphären verläuft. Vor allem deshalb überlässt der US-Präsident die Ukraine nicht einfach Wladimir Putin. Aber Trump würde ihre territoriale Integrität auch niemals als unantastbar betrachten. Denn die nach dem Zweiten Weltkrieg erzielte Übereinkunft der Unverletzbarkeit der Grenzen in Europa bedeutet für ihn nur eines: Schwäche.

Das Sagen hat in Trumps Welt, wer die Macht hat. Und Macht besitzt, wer........

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