Debatte um Teilzeit: Von Lifestyle, Lust und Solidarität
Eins gilt es neidlos anzuerkennen: Der Sinn für Polemik ist bei der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) erstklassig ausgeprägt. Wer auch immer dafür gesorgt hat, dass es der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ in die Überschrift des Vorstandsbeschlusses der Parteivereinigung der Union zum CDU-Parteitag schaffte, weiß genau, wie man provoziert. Die Wortschöpfung ist nicht einmal neu – aber sie hat der MIT und ihrer Vorsitzenden Gitta Connemann viel Aufmerksamkeit verschafft. Sie hat einen Nerv getroffen, nämlich die Sorge vor Wohlstandsverlust, und eine Debatte ausgelöst.
„Lifestyle-Teilzeit“ ist das Musterexemplar einer Polemik, einer (hoffentlich) bewusst einseitigen Zuspitzung eines Phänomens, in diesem Fall: dass Menschen freiwillig, also ohne zwingende Gründe, ihre Arbeitszeit reduzieren. Die MIT hat die Quote von 25 Prozent aller Teilzeitler genannt, was gut vier Millionen Menschen entspräche.
Realität Im zweiten Quartal 2025 überstieg die Teilzeitquote in Deutschland nach Angaben des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung erstmals die 40-Prozent-Marke. 49 Prozent der berufstätigen Frauen arbeiten in Teilzeit, bei den Männern sind es nur zwölf Prozent.
Wunsch 53 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland würden gern Teilzeit arbeiten, wenn es dafür ein Angebot gäbe. Das ist das Ergebnis einer Yougov-Umfrage im Sommer 2025. 2022 hatte der Anteil noch bei 48 Prozent gelegen. Der Wunsch ist bei den unter 40-Jährigen (57 Prozent) deutlich höher als bei den Älteren (49 Prozent). (epd/fvo)
Was durch den Staub des Streits allenfalls durchschimmert, ist die moralische, ja........
