Risse im MAGA-Fundament
Im MAGA-Lager rumort es. Der neueste verzweifelte Versuch des Präsidenten, ein ihn überdauerndes politisches Erbe aufzubauen, führt zu immer größer werdenden Rissen im MAGA-Fundament. Ein Problem, das für einen Immobilienherrn wie Präsidenten gleichermaßen eklatant ist.
Trump verdankt seinen zweiten Wahlsieg zu einem erheblichen Teil der Erzählung, er sei der Präsident, der Kriege beendet statt neue zu beginnen. »Keine neuen Kriege« war ein zentrales Motiv seines Wahlkampfs – eine Botschaft, die in einem Land mit zwei Jahrzehnten militärischer Interventionen im Nahen Osten durchaus Resonanz fand. Gerade der isolationistische Flügel der MAGA-Bewegung verstand »America First« vor allem als Absage an kostspielige geopolitische Abenteuer.
Nun führt genau dieser Präsident Krieg gegen den Iran. Das sorgt im MAGA-Kosmos für hörbare Irritationen. Prominente rechte Influencer*innen, Podcaster*innen und mehrere republikanische Politiker*innen zweifeln öffentlich an der Operation. Der frühere Fox-News-Star Tucker Carlson spricht von Israels Krieg, in den Washington hineingezogen worden sei. Und am extrem rechten Rand erklärt der Online-Agitator Nick Fuentes gleich, Trump habe »America First verraten« und ruft dazu auf, bei den kommenden United States Midterm-Wahlen im November im Zweifel gar nicht oder sogar demokratisch zu wählen. Für eine Bewegung, die sich jahrelang durch nahezu bedingungslose Loyalität zu ihrem Anführer ausgezeichnet hat, sind solche Töne bemerkenswert.
Der Konflikt legt einen ideologischen Bruch offen, der in der MAGA-Koalition schon lange existiert. Auf der einen Seite stehen christliche Zionisten und außenpolitische Hardliner, die eine militärische Konfrontation mit dem Iran seit Jahren fordern. Auf der anderen Seite jene isolationistischen Nationalisten, für die »America First« der Fokus nach innen bedeutet. Trump hat es bislang verstanden, diese widersprüchlichen Lager zusammenzuhalten.
Doch die ersten Risse entstanden bereits vorher: Trump hatte Teile seiner Basis mit der zögerlichen Veröffentlichung der Epstein-Akten verärgert. Für eine Bewegung, die sich politisch aus Misstrauen gegenüber Eliten und »Deep State« speist, war der Umgang mit den Dokumenten rund um Jeffrey Epstein mehr als nur ein PR-Problem.
Nun kommen wirtschaftliche Folgen des Konflikts hinzu. Steigende Ölpreise schlagen in den USA unmittelbar auf die Benzinpreise durch. Kaum ein Thema ist für amerikanische Wähler*innen so sensibel wie der Preis an der Tankstelle. Trump hatte die Debatte über steigende Lebenshaltungskosten lange als übertrieben oder gar als linken »Hoax« abgetan. Doch wenn der Preis an der Zapfsäule steigt, lässt sich diese Rhetorik schwer aufrechterhalten und »Sleepy Joe« Biden auch dieses Mal dafür verantwortlich zu machen, dürfte selbst Trump schwerfallen.
Dem Immobilienmogul und Reality-TV-Star Trump geht es in seiner Präsidentschaft erkennbar um »Legacy Building« – den Aufbau eines bleibenden politischen Vermächtnisses. Der Pharao verlangt eine Pyramide. Doch die Schwingen, auf denen Trumps Bomberstaffeln ihre tödliche Fracht über dem Iran abwerfen, könnten sich als wächsern erweisen – und seinem größten Ziel einen Strich durch die Rechnung machen. Was nur, wenn ihm am Ende keiner mehr applaudiert?
