menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Influencer machen jedes Gefühl zur Diagnose – das hilft Jugendlichen wenig

8 0
02.02.2026

Wenn jedes Tief zur Depression und jede Nervosität zur Angststörung wird, verändert das mehr als nur unseren Wortschatz – es prägt die Identität einer ganzen Generation. Ein Gastkommentar der Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm.

Ist die Jugend eine «kranke» Generation? Wer heute jungen Menschen zuhört oder durch soziale Medien scrollt, kann diesen Eindruck gewinnen. Traurig sein bedeutet für viele: Depression. Nervosität vor einer Präsentation gilt als soziale Angst. Seelische Zustände tragen medizinische Namen, TikTok ist voll von persönlichen Leidensgeschichten, mentale Krisen scheinen allgegenwärtig. Dennoch greift die Diagnose einer «kranken» Generation zu kurz. Wahrscheinlicher ist, dass junge Menschen offener über ihre psychische Gesundheit sprechen als jede Generation zuvor.

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren psychische Erkrankungen stark tabuisiert. Wer unter Depressionen litt, schwieg – aus Angst, als schwach zu gelten. Heute sind psychische Erkrankungen gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Offenheit fördert Verständnis und ermutigt Betroffene, Hilfe zu suchen. Vorurteile können abgebaut, psychische Leiden ernster genommen werden. Gleichzeitig steigt die Zahl........

© Luzerner Zeitung