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«Ürner Asichtä»: Uri ist überall

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20.03.2026

«Ürner Asichtä»: Uri ist überall

Kolumnist Florian Arnold darüber, wie ihn ausgerechnet eine Urnerin in Paris zu einem neuen Zuhause und neuen Freundschaften führt.

Es ist die einfache Variante von «Wo ist Walter?», bei Sportübertragungen die Urner Fahne zu entdecken. Und obwohl sich mein Interesse an Sport in Grenzen hält, ist es mir auch bei den jüngsten Olympischen Spielen schon nach wenigen Minuten gelungen, im Fan-Meer den Uristier auszumachen.

Ich stelle es mal als Fakt hin: Urner trifft man auf der ganzen Welt. Ich ging also davon aus, dass ich in meinem neuen Zuhause, in Paris, nicht lange darauf warten müsste, auf welche zu stossen. Doch mit Ausnahme meiner Gäste bin ich bisher keinen begegnet. Rein rechnerisch ergibt es Sinn, wohnen doch 12,5 Millionen Menschen um mich herum, plus jeden Tag Tausende Touris aus der ganzen Welt.

‹Bei so vielen Menschen wird es ein Leichtes werden, neue Freundschaften zu knüpfen›, dachte ich mir. Allerdings stellte sich das als wesentlich schwieriger heraus als angenommen. Klar, kennengelernt habe ich jede Menge Menschen - wohl so viele wie noch nie zuvor in so kurzer Zeit. Meistens aber kratzt man dann gegenseitig an der Oberfläche, statt in tiefgründige Sphären zu gelangen. Mir wurde bewusst, dass Freundschaften, wie ich sie davor kannte, eben viel Zeit zum Reifen brauchen. Und ich ertappe mich dabei, dass ich den Samstagmorgen vermisse, wo ich beim Wocheneinkauf mindestens eine Handvoll Menschen antreffe, die ich schon lange kenne und denen ich vertraue.

Hier ist eben jeder Kontakt mit viel Eigeninitiative verbunden. Da dachte ich mir: ‹Wenn die Urner nicht zu mir kommen, dann muss ich sie eben suchen.› Vor meiner Abreise im vergangenen Sommer haben mir zwei unabhängige Quellen (wie es sich für einen Journalisten gehört) die Adresse einer Urnerin zugesteckt, die schon seit 40 Jahren in Paris wohnt. Es muss im August gewesen sein, als ich die französische Nummer in mein Telefon eintippte. Ich stellte mich vor, wie sich wohl ein Enkeltrickbetrüger anhört. Bald war meine gute Absicht geklärt und die Einladung zum Kaffee am Sonntagnachmittag perfekt.

Im noblen 17. Arrondissement erwarteten mich Patrizia und Jacques in einem über hundertjährigen Herrenhaus. Im Wohnzimmer ein Flügel, in den ich mich sogleich verliebte. Und rasch hatte ich das Angebot im Sack, von Zeit zu Zeit darauf üben zu dürfen. Mittlerweile hat es sich (quasi als Gegenleistung) eingependelt, dass ich von meinen Schweiz-Reisen jeweils Dinge mitbringe, auf die man als Urnerin nicht verzichten möchte: Bratwürste, Moitié-Moitié-Fondue aus dem Coop und Gemüse-Bouillonwürfel von Knorr.

Es ist Ende September, als auf meinem Display die SMS aufpoppt, ich solle mich so schnell wie möglich melden. Die Studentin, die im Dachstock wohnt, wolle ausziehen, erklärt Patrizia. Ich hätte die Möglichkeit, die kleine Wohnung zu übernehmen, was hier in Paris einem Lottosechser gleichkommt. Nach einem Augenschein muss ich keine Sekunde überlegen. Und so werden meine neuen Freunde zu meinen neuen Vermietern.

So lebe ich nun im 7. Stock in zwei kleinen Zimmern mit Dusche, WC, Küche, Bett und einem Holzschrank, der hier seit 1913 steht. Und etwas darf nicht fehlen. Meine Mutter hat es mir mit überteuertem Porto zum 1. August zukommen lassen: ein kleines Urner Fähnchen.

Florian Arnold war Redaktionsleiter der «Urner», «Nidwaldner» und «Obwaldner Zeitung». Seit Juli 2025 lebt er in Paris.

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