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«Juhu, eine Gruppenarbeit!» – Schade nur, funktioniert sie so selten

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18.04.2026

«Juhu, eine Gruppenarbeit!» – Schade nur, funktioniert sie so selten

Sie sind das Nonplusultra der Didaktik: Gruppenarbeiten. Sämtliche Jugendlichen sind involviert, verschiedene Blickwinkel fliessen ein, der soziale Austausch wird gefördert – zumindest in der Theorie. Vier Schülertypen machen Produktivität so unwahrscheinlich

In der Praxis funktionieren Gruppenarbeiten leider oft nicht wie geplant.

Die Engagierte: Sie ist der fleischgewordene Traum eines jeden Pädagogen. Sie ergreift die Initiative, bringt spannende Ideen, vermittelt bei Unstimmigkeiten. «Also, was schreiben wir nun?», hört man sie sagen, wenn ihre Mitschüler in andere Themen abzudriften drohen. «Sag auch mal etwas», fordert sie Mitschüler auf, die es sich in der sozialen Hängematte bequem machen. Sie kann sich das erlauben. Ihr sozialer Status in der Klasse ist hoch, man hört auf sie – und manchmal vermag sie mit ihrem Enthusiasmus gar die anderen Jugendlichen anzustecken.

Der Unruhestifter: Wird eine Gruppenarbeit angekündigt, freut er sich. Nicht weil er – wie die Engagierte – etwas zum Ergebnis beitragen will, sondern weil er ungestört Mist bauen kann. Kaum wendet sich der Blick der Lehrperson ab, torpediert er die Arbeit seiner Klassenkameraden. Er wühlt in Etuis, krabbelt in fremde Hefte, bohrt der Sitznachbarin Filzstifte in die Hüfte. Seine Gruppenbeiträge erschöpfen sich in Besserwissereien, Beleidigungen und sachfremden Kommentaren. Als Lehrperson hofft man auf die selbstreinigenden Kräfte innerhalb der Gruppe. Oft umsonst. Meist fehlt den anderen Jugendlichen der Mut, um dem selbstgerechten Störenfried beizukommen. Deutlich öfter ist das Gegenteil der Fall: dass der Unruhestifter weitere Jugendliche für sich gewinnen kann und die ganze Gruppenarbeit den Bach heruntergeht.

Die Konfliktscheue: Auch sie torpediert Gruppenarbeiten, allerdings auf andere Weise als der Unruhestifter. Zu vielen Themen hat sie keine Meinung; und etwas zu sagen, was den anderen missfallen könnte, bereitet ihr Albträume. Entsprechend ungern arbeitet sie in Gruppen. Am liebsten hat sie es, wenn sie mit einer guten Freundin in der Gruppe ist, mit der sie ungestört plappern kann. Hast du diese oder jene Hausaufgabe schon gemacht? Welche Note hattest du in Mathe? Kommst du heute Abend ins Training? Und schon ist aus einer Gruppe zwei Gruppen geworden – wovon maximal noch eine produktiv ist.

Der Schweiger: An ihm prallt alles ab: Offene und geschlossene Fragen, verwegene Behauptungen, extreme Positionsbezüge – er schweigt sie tot. Als Lehrperson schaut man ihm zu und sorgt sich: Geht es ihm nicht gut? Intelligent wäre er ja, und aus schriftlichen Äusserungen weiss die Lehrperson, dass er sich differenziert Gedanken macht. Nur: Er bringt keinen Ton heraus. Geht es nicht anders, murmelt er etwas,........

© Luzerner Zeitung