Rösti macht Mussolinis Angriffskrieg zur Randnotiz – und lernt das Falsche daraus
Rösti macht Mussolinis Angriffskrieg zur Randnotiz – und lernt das Falsche daraus
Albert Rösti sieht in den 1930er Jahren einen Beleg für die Gefahren einer zu wenig strikten Neutralität. Dabei zeige gerade Mussolinis Krieg gegen Äthiopien, wohin es führen kann, wenn die Staatengemeinschaft einen Aggressor gewähren lässt, schreibt Historikerin Noëmi Crain Merz.
Albert Rösti hält in seiner Heimatgemeinde eine umstrittene 1.August-Rede.
In seiner 1.-August-Rede erwähnte Bundesrat Albert Rösti die Neutralitätsinitiative nicht. Von der Neutralität sprach er aber sehr wohl und erinnerte dabei an ein fast vergessenes Kapitel der Schweizer Aussenpolitik: Am 3. Oktober 1935 überfiel das faschistische Italien das Kaiserreich Abessinien, das heutige Äthiopien. Mit seinem Eroberungskrieg wollte Mussolini mehr «Lebensraum» («spazio vitale») für das eigene Volk gewinnen – wie später auch Hitler. Der Völkerbund verhängte Sanktionen, an denen sich die Schweiz als Mitglied beteiligte, was Italien missfiel. Der Beitritt zum Völkerbund 1920 sei, so Rösti, ein «schwerer Fehler» gewesen. Erst unter «akuter Kriegsgefahr» durch Italien sei die Schweiz «gerade noch rechtzeitig» zur integralen Neutralität zurückgekehrt.
Bei Bundesrat Rösti erscheint der Unmut Italiens über die Sanktionen als eigentliche Gefahr, während der Überfall auf einen souveränen Staat und eine äusserst........
