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Man kann nur richtig laut sein, wenn man das Leise versteht

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11.03.2026

Man kann nur richtig laut sein, wenn man das Leise versteht

Von Anja Nübling, Bibliothek Cham

Anja Nübling von der Bibliothek Cham empfiehlt «Durch das Raue zu den Sternen» von Christopher Kloeble.

Arkadia Fink, genannt Moll, ist eine Heldin, die man nicht vergisst: 13 Jahre alt, musikalisch hochbegabt, eigensinnig, schlau und mit reichlich Fantasie gesegnet. In ihrem bayrischen Dorf macht sie das zur Aussenseiterin, die überall aneckt und keine Freunde findet. Die einzige Person, die Moll versteht, ist ihre Mutter: eine extravagante, erfolglose Komponistin und nicht anerkannte Musikerin, die davon überzeugt ist, dass Beethoven eine Frau war. Durch ihre Mutter hat Moll musikalische Früherziehung genossen und die beiden fühlen sich tief miteinander verbunden durch ihre gemeinsame Liebe zur Musik. Doch nun ist Molls Mutter verschwunden, sie ist «kurz weggegangen», und sie lässt Tochter und Ehemann traumatisiert zurück.

Molls Vater, ein Schreiner, ist in Trauer versunken und schreinert seit dem Weggang seiner Frau nicht mehr. Zu ihm findet Moll keinen Zugang. Ihr einziger Kontakt ist der zu der alten Dame Bernhardina, die im Seniorenheim lebt.

Christopher Kloeble: Durch das Raue zu den Sternen, Klett-Cotta Verlag, 240 Seiten, ISBN 978-3-608-96657-2.

Eines Tages kommt eine Frau an Molls Schule, die Talente für einen Chor sucht. Sie erkennt Molls Begabung, jedoch handelt es sich bei dem renommierten Chor um einen Knabenchor. In Moll, die immer noch sehnsüchtig auf die Rückkehr ihrer Mutter wartet, reift eine Idee: wenn der weltberühmte Knabenchor sie aufnimmt und sie auf der grossen Bühne singen kann, wird ihre Mutter zurückkehren. Die Hürden mögen unüberwindbar sein – noch nie hat ein Mädchen in dem Chor gesungen. Aber Moll ist gesegnet mit «Angstfreiheit» und einem unbändigen Willen, der sich den Regeln der Gesellschaft nicht beugt. Sie denkt nicht daran aufzugeben.

Dieses Buch handelt von Liebe und Verlust, die Sprache ist mal heiter, mal melancholisch, die Heldin voller Mut und Zuversicht. Es geht um die Suche nach Anerkennung, vom Anders-Sein und dem Festhalten an eigenen Träumen und Zielen. Die strukturelle Benachteiligung von Frauen in der Welt der klassischen Musik ist ein Thema, das das Buch subtil durchweht und zum Nachdenken anregt. Nicht zuletzt zeigt die Geschichte eine grosse Liebe für klassische Musik, die den Lesenden ohne erhobenen Zeigefinger nahegebracht wird.

Wegen ihres eigenwilligen Charakters ist Moll nicht unbedingt eine Heldin, die man beim Lesen sofort ins Herz schliesst. Doch sie begeistert mit Witz und Ideenreichtum, imponiert mit Disziplin und Willensstärke und von Seite zu Seite wächst sie den Lesenden mehr und mehr ans Herz. Molls Geschichte hat mich sehr berührt.

Christopher Kloeble: Durch das Raue zu den Sternen, Klett-Cotta Verlag, 240 Seiten, ISBN 978-3-608-96657-2.

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