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1. Mai und Internationalismus: Eine Strategie für den Sieg

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27.04.2026

1. Mai und Internationalismus: Eine Strategie für den Sieg

Der 1. Mai wurde 1890 zum internationalen Kampftag, um eine Verkürzung der Arbeitszeit zu fordern und der Märtyrer von Chicago zu gedenken. Kann die internationale Koordination der kämpfenden Arbeiter:innen die Dystopie aufhalten, in die der Kapitalismus führt?

Der Völkermord in Palästina und die Kriege im Iran, im Libanon und in der Ukraine sind Zeichen eines untergehenden Kapitalismus. Unfähig, die 2008 ausgebrochene und durch die Pandemie von 2020 verschärfte Wirtschaftskrise zu bewältigen, und unter dem Druck des Wettbewerbs zwischen den Großmächten treibt der Imperialismus die Menschheit erneut in den Abgrund, indem er Fabriken, Brücken, Schulen, Krankenhäuser und Universitäten zerstört, während Zehntausende Menschen sterben. Technologische Entwicklungen, Drohnen, künstliche Intelligenz, Big Data, Raketen, Luftfahrt und Urananreicherung werden nicht dazu genutzt, das Leben der Menschen zu verbessern, die Freizeit zu verlängern oder die universelle Versorgung mit Grundgütern wie Wasser oder Impfstoffen sicherzustellen. Solange die Macht in den Händen einer Elite von Superreichen bleibt – einer Gruppe von etwa 56.000 Menschen, die dreimal so viel Reichtum besitzt wie die 4 Milliarden ärmsten Menschen der Welt und ihre Staaten als Kriegsmaschinen einsetzt –, ist die Zukunft düster.

Doch gegen dieses apokalyptische Zukunftsszenario, und die Flut schlechter Nachrichten, die von den großen Medien verbreitet wird, gibt es auch Widerstand von unten. Die Global Sumud Flotilla, bestehend aus 70 Schiffen und rund 3.000 Teilnehmer:innen aus über 100 Ländern, ist ein Ausdruck der anhaltenden Solidarität der Arbeiter:innen. Dort gingen mehr als 1.000 Fachkräfte des Gesundheitswesens an Bord, darunter Iara Salerno von der PTS und der Strömung Permanente Revolution (SPR). Ebenfalls von der SPR dabei sind Leandro Lanfredi, Gewerkschaftansführer des Ölsektors in Brasilien, und Mariona Tasquer, Aktivistin der katalanischen Studentenbewegung. Die Besetzungen von Universitäten auf der ganzen Welt, von Harvard bis Sydney ab 2024, und der landesweite Streik in Italien im Jahr 2025, angeführt von der Bewegung „Blocchiamo tutto“, haben gezeigt, dass Millionen Menschen der Völkermord in Palästina nicht gleichgültig ist.

Im Folgenden stellen wir einige Meilensteine des internationalen Kampfes der Arbeiter:innen und Unterdrückten vor, die aufgrund ihrer weltweiten Koordinationsfähigkeit für ein gemeinsames Ziel und aufgrund ihrer Auswirkungen als Inspiration für die aktuelle Situation dienen können. So bieten wir einen Rückblick auf die erste internationale Demonstration am 1. Mai 1890, die Russische Revolution, den Spanischen Bürgerkrieg, den Vietnamkrieg und die Frauenbewegung. 

Der rote Faden des Internationalismus

Im Rahmen der Gründung der Zweiten Sozialistischen Internationale im Jahr 1889 wurde beschlossen, im folgenden Jahr am 1. Mai einen internationalen Kampftag mit Straßenprotesten, Kundgebungen und Demonstrationen durchzuführen. Die Hauptforderung war die Verkürzung der Arbeitszeit auf 8 Stunden und das Gedenken an den Kampf der Märtyrer von Chicago, einer Gruppe von Arbeiter:innen, die in den Vereinigten Staaten zum Tode verurteilt wurden, weil sie an den großen Demonstrationen beteiligt waren, die 1886 unter demselben Motto stattfanden. Die Protestmethodik war Teil einer internationalistischen Perspektive, die davon ausging, dass der Kampf in der Fabrik, am Arbeitsplatz oder in der Schule begann, auf die nationale Ebene ausgeweitet und auf internationaler Ebene vollendet werden musste. Man war sich bewusst, dass der Kampf gegen ein System der internationalen Ausbeutung der Arbeit wie den Kapitalismus nur durch einen Kampf auf derselben Ebene und durch die Koordination........

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