Wolkige Rhetorik und rhetorische Volten
Bereits nach ungefähr zwei Dritteln der Sendung am Donnerstagabend zog Markus Lanz ungewollt das Resümee. »Wenn Sie das für glasklar halten, dann will ich nicht erleben, wenn Sie wirklich mal was Glasklares sagen müssen«, schleuderte der Talkshow-Moderator seinem Studiogast Thorsten Frei (CDU) entgegen.
Es war das Eingeständnis, dass der rhetorisch versierte Kanzleramtschef ungefähr so schwer auf eine verbindliche Aussage festzunageln ist wie Pudding an der Wand.
Hinzu kommt: Frei hat Erfahrung gesammelt in derlei TV-Sendungen. In den vergangenen Monaten kam dem CDU-Politiker schon mehrfach die Aufgabe zu, die abrupten politischen Volten seines Chefs einer perplexen deutschen Öffentlichkeit zu erklären, ohne dabei den Eindruck zu vermitteln, seine Partei habe schamlos ihre Wahlversprechen einkassiert.
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Lanz versuchte tapfer, Frei bei den Themen Wehrdienst, Rentenreform, Sozialabbau und Steuererhöhungen zu stellen. Gelegentlich tat er es im Verein mit seinen beiden anderen Gästen, der »taz«-Wirtschaftsredakteurin Ulrike Herrmann und dem Chefredakteur der »Welt«-Gruppe, Jan-Philipp Burgard, der erstmals Studioluft bei Lanz schnupperte. Schnippisch bemerkte Herrmann, Frei sei angesichts seines Talents, sich nicht festlegen zu lassen, »nicht umsonst Kanzleramtsminister« geworden.
Auch im Hinblick auf den von Merz vor drei Wochen verkündeten teilweisen Lieferstopp für deutsche Rüstungsgüter, die von Israel im Gazastreifen eingesetzt werden können (für Burgard eine © Juedische Allgemeine
