Virtuose Sprachkomponistin
19. Oktober 2026 – 8. Cheschwan 5787
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Virtuose Sprachkomponistin
Virtuose Sprachkomponistin
Eine Würdigung der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin zu ihrem 80. Geburtstag
Mich interessieren also Dichter, die abseits gehen und fremd bleiben, auch sich selbst fremd, Verstörte, die aber besessen sind von der Präzision des Ausdrucks, als wollten sie sich bis zuletzt an etwas festhalten.»In ihrem Essay«nicht bei sich und doch zu hause»schreibt Elfriede Jelinek über ihre«literarischen Verwandtschaften»und stellt ihr eigenes Schreiben in die Tradition dieser Dichtung der Nichtsgewissheit. Auch in der Musik ist sie fasziniert von Komponisten wie Franz Schubert, die nicht auf Selbstvergewisserung, sondern auf Beunruhigung zielen.
Von früher Kindheit an lernt Elfriede Jelinek auf Wunsch ihrer autoritären Mutter verschiedene Instrumente – Klavier, Gitarre, Blockflöte, Geige, Bratsche, Orgel – zunächst in der Musikschule, später am Wiener Konservatorium, wo sie 1971 die Orgelabschlussprüfung ablegt. In Abgrenzung zur mütterlichen Dressur wählt sie jedoch das Schreiben als künstlerische Ausdrucksform, bereits 1970 erscheint ihr erster Pop-Roman wir sind lockvögel baby! im Rowohlt Verlag, der bis heute ihre Werke veröffentlicht.
Jelinek weiß, dass sie aus der Position als Frau und Außenseiterin Grenzen überschreitet.
Elfriede Jelinek erzählt keine psychologischen Geschichten, sie verfremdet und analysiert vorgefundenes Sprachmaterial, um gesellschaftliche Strukturen, Gewalt- und Machtverhältnisse sichtbar zu machen. Sie weiß, dass sie aus der Position als Frau und Außenseiterin dabei Grenzen überschreitet.
Schon in den 70er-Jahren entlarvt sie in ihrem Roman Die Liebhaberinnen die Heils- und Liebesversprechen trivialer Heft- und Fortsetzungsromane als bloße Suggestion, und in ihrem ersten Theaterstück Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte konfrontiert sie Noras Emanzipationswünsche in einer Fortschreibung von Ibsens Drama Nora oder Ein Puppenheim mit den historischen ökonomischen Verhältnissen. Am Ende des Stücks landet Nora wieder bei ihrem Mann, ihre Position hat sich verschlechtert.
Jelinek radikalisiert ihre feministische Position unter anderem in ihren Romanen Die Klavierspielerin und Lust wie auch in ihrem Stück Raststätte oder Sie machens alle, um nur einige Titel zu nennen. Dass sie dabei auf eindeutige Zuweisungen von Täter und Opfer verzichtet und Ironie, Parodie, Satire und Komik wichtige Stilmittel sind, stößt auch bei vielen Frauen auf Widerspruch oder Unverständnis. Denn Jelinek zählt mit ihrem Engagement nicht nur zur Avantgarde der Literatur, sondern auch des Feminismus.
Nicht erst seit ihrem Theaterstück Burgtheater, uraufgeführt 1985 in Bonn, in dem Jelinek die Kollaboration einer........
