Herr Rambo mag es süß
18. Oktober 2026 – 7. Cheschwan 5787
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Herr Rambo mag es süß
Ein jüdischer Gastronom in Prag ist zum Instagram-Star aufgestiegen. Er verkauft »heimishe Trdelaich«, T-Shirts und Baseballcaps und erreicht mit seinen Sprüchen Hunderttausende
Lange hat Aaron Günsberger nicht darüber nachgedacht, ob ein glatzköpfiger, bis zum Hals tätowierter Kämpfer die ideale Werbefigur für seine Süßigkeiten ist. In seinem Geschäft direkt neben dem alten jüdischen Friedhof in Prag hat er einfach das Handy gezückt und den Film gedreht: Günsberger selbst steht dem bekannten tschechischen UFC-Kämpfer bedrohlich gegenüber, die beiden überziehen einander mit Flüchen – aber kurz bevor die Fäuste fliegen, reicht ihnen jemand einen Trdelnik, ein süßes Gebäck, gefüllt mit Softeis mit Erdbeerstückchen, darüber Schokosoße. Zucker senke die Aggressivität, heißt es in dem Filmchen, und der Kämpfer fragt nur: »Ist das denn auch koscher?« – und steckt sich beherzt einen Löffel Eis in den Mund. So funktioniert die Welt von Aaron Günsberger.
Mit seinen Videos ist der 51-Jährige zum Held auf Instagram geworden. Manche seiner Beiträge erreichen 800.000 Klicks. Er hat Fans überall auf der Welt. »Wenn ich mich nur filmen würde, wie ich hinter der Theke stehe und das Gebäck mit Erdbeeren verziere, würde das niemanden interessieren«, sagt er und grinst.
Deshalb geht er hinaus und sorgt mit gezielten Provokationen und überraschenden Drehs für Aufmerksamkeit. Und das immer mit einem Augenzwinkern. Das gelingt ihm so gut, dass selbst Hollywoodstars wie Leonardo DiCaprio, Harvey Keitel und Dustin Hoffman bei ihm vorbeischauen, wenn sie für Dreharbeiten in Prag sind, und sich mit seinen »heimishe Trdelaich« fotografieren lassen.
»Machen wir das doch in einer koscheren Version«
Das mit dem Namen ist ein weiterer Schachzug, typisch für Günsberger. »Trdelnik« heißt das Gebäck in Tschechien üblicherweise, eine Art Baumstriezel, über dem Feuer gebacken. Zuletzt wurde es vor allem zum Touristennepp, verkauft als »altböhmischer Trdelnik« an Ständen entlang der üblichen Besichtigungsrouten in Prag.
»Manche sagen, sie würden ursprünglich aus Ungarn kommen, aber in der alten Habsburgermonarchie haben sich die Speisen sowieso vermischt«, sagt Günsberger. Und als das Ladenlokal gegenüber dem jüdischen Friedhof und der Pinkas-Synagoge frei wurde, beschloss er, die ganze Sache auf die Schippe zu nehmen. »Ich habe gesagt: Machen wir das doch in einer koscheren Version und benennen den ›Trdelnik‹ auf Jiddisch in ›heimishe Trdelaich‹ um.«
Markenzeichen: die gewaltige Figur des Golem, die er an eine Wand bauen ließ.
Markenzeichen: die gewaltige Figur des Golem, die er an eine Wand bauen ließ.
Anderthalb Jahre ist das jetzt her, und sein Plan ist aufgegangen: Im........
