menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Empörungsköder

19 0
15.10.2026

15. Oktober 2026 – 4. Cheschwan 5787

AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service

AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service

»The Social Reckoning«

Der Whistleblower-Thriller zeigt die neue Weltordnung à la Facebook – und was Menschen nicht dagegen tun

Das Verrückte an The Social Reckoning, der Fortsetzung des Oscar-Films The Social Network aus dem Jahr 2010, ist, dass wir alle bereits so tief in den »unsozialen« Medien – von Instagram bis WhatsApp – stecken, dass wir selbst nach dem fast zweistündigen Besuch dieser Brecht’schen Moralanstalt unsere Accounts nicht löschen. Weil wir sie brauchen. Der ganz reale Mark Zuckerberg hat sein Ziel erreicht. Und Aaron Sorkins Whistleblower-Thriller buchstabiert aus, wie hoch der Preis ist, den die Welt dafür zu zahlen hat. Es ist trotzdem ein verdammt guter Film geworden!

The Social Reckoning basiert auf einer Enthüllungsserie des »Wall Street Journal« aus dem Jahr 2021: Jeff Horwitz’ »The Facebook Files« legten mithilfe der Whistleblowerin Frances Haugen anhand interner Facebook-Dokumente offen, in welchem Ausmaß Mark Zuckerbergs Unternehmen Reichweite und Profit über das Wohlergehen einzelner Menschen und ganzer Gesellschaften stellt: angefangen bei der Priorisierung von Beiträgen, die Magersucht verherrlichen, über solche rassistischer Aufhetzung bis zu denen, die zu politischen Unruhen aufwiegeln.

»Rage Bait« (Empörungsköder) nennt man das. Das, was wütend macht, hält die Menschen auf der Plattform, ist also erfolgreich und wird deshalb qua Algorithmus gefüttert. Falschinformationen taugen dazu besonders gut.

Mark Zuckerberg hat sein Ziel........

© Juedische Allgemeine