menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

Einst Provisorium, heute selbstbewusst

26 0
15.10.2026

15. Oktober 2026 – 4. Cheschwan 5787

AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service

AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service

Einst Provisorium, heute selbstbewusst

Zum 75. Jubiläum beleuchtet ein Almanach die Geschichte der jüdischen Gemeinde nach der Schoa, ihre inneren Konflikte und ihren Weg zu einem festen Platz in der Stadtgesellschaft

Es gehört zu den Tücken der Gewohnheit, dass sie es uns einerseits erlaubt, die Handlungen und Tatsachen, die unseren Alltag bestimmen, als selbstverständlich vorauszusetzen: Beim Fahrradfahren oder auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit fragen wir uns nur selten, wie viele Zahnräder inein­andergreifen müssen, damit wir das angestrebte Ziel erreichen. Andererseits liegt genau hier auch die Gefahr der Gewohnheit. Wir setzen die Dinge als gegeben voraus, meinen, sie seien bereits immer so gewesen, wie wir sie aktuell vorfinden, und vergessen dabei die Brüche in ihrer Geschichte.

In einer Zeit, in der sich immer mehr Jüdinnen und Juden nicht mehr sicher fühlen, erinnert der »Almanach« an das Engagement vieler Mitglieder.

In einer Zeit, in der sich immer mehr Jüdinnen und Juden nicht mehr sicher fühlen, erinnert der »Almanach« an das Engagement vieler Mitglieder.

Zu diesen prekären Selbstverständlichkeiten zählt auch, dass heute eine fest zur Stadtgesellschaft gehörende jüdische Gemeinde in Frankfurt am Main existiert – und das bereits seit über 75 Jahren. Zum Jubiläum ist mit dem Almanach der Jüdischen Gemeinde Frankfurt ein Buch erschienen, das in 20 kurzen Beiträgen die Geschichte, Gegenwart und Zukunft des jüdischen Frankfurt in den Blick nimmt.

Gleich zu Beginn erinnert der Vorsitzende der Gemeinde, Salomon Korn, an die unlösbare Aufgabe, vor die man sich in den ersten Jahren nach dem Ende der Schoa gestellt sah: Von den ehemals rund 30.000 Frankfurter Jüdinnen und Juden kehrten nur wenige Hundert zurück, die außer ihrem Jüdischsein nichts mehr mit der Gemeinde der Vorkriegsjahre verband.

Für viele stand damals fest, dass eine neue Gemeinde entstehen sollte, jedoch lediglich »als ein Provisorium für den Übergang bis zur Auswanderung möglichst aller Juden«. In einem von der Stadt bereitgestellten Haus im Baumweg 5–7 wurde daher nach der Gründung der Gemeinde im Jahr 1947 eine erste Anlaufstelle mit eigener Synagoge geschaffen. In den frühen Jahren der Gemeinde ging es jedoch weniger um »die Pflege jüdischen Brauchtums«, wie Korn........

© Juedische Allgemeine