Der Landeshausmeister
24. April 2026 – 7. Ijar 5786
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Der Landeshausmeister
Alexander Reznitchi ist Afghanistan-Veteran, war Sportlehrer und wurde Techniker
Als ich 19 Jahre alt war, wurde ich zum Militärdienst eingezogen und nach Afghanistan geschickt. Zu dieser Zeit hatte ich nach einer Ausbildung zum Straßenbaumeister erst wenige Monate bei der sowjetischen Armee gedient. Der Befehl zum Einmarsch in das Land am Hindukusch kam direkt von Leonid Breschnew.
Am 15. Dezember 1979 überschritten die ersten Einheiten der 40. Armee die afghanische Grenze; meine Einheit folgte am 20. Januar 1980. Wir wurden in der Provinz Kandahar stationiert. Sie ist bis heute Hochburg der radikal-islamischen Taliban. Zehn Jahre beteiligte sich die sowjetische Armee am afghanischen Bürgerkrieg. Ich selbst war zwei Jahre dort, und zwar als Panzerfahrer. Eine Wahl hatten wir nicht – in der Sowjetunion herrschte Wehrpflicht.
Die Erlebnisse dieser Zeit haben mich tief geprägt. Nicht nur wegen der Albträume, die mich früher fast jede Nacht verfolgten. Oft schrie ich im Schlaf: »Nicht schießen!« Meine Frau tröstete mich. Ich benötigte keine Rehabilitationsmaßnahmen wie viele andere, die nach ihren Erfahrungen im Krieg Alkoholiker wurden und selbstzerstörerische Verhaltensweisen entwickelten. Manche verloren darüber sogar den Verstand. Ich hatte Glück – ich hatte Tatiana.
Schon während des Krieges stellte ich mir vor, wie meine zukünftige Frau sein sollte
Tatiana, meine große Liebe. Sie wurde wie ich in Chișinău in Moldawien geboren und wuchs dort auf. Schon während des Krieges stellte ich mir vor, wie meine zukünftige Frau sein sollte. Als ich Tatiana traf, entsprach sie genau diesem Bild: intelligent, unkompliziert, stark und schön – und das ist sie bis heute. Wir heirateten am 24. Dezember 1983, im Juli 1985 wurde unsere Tochter Julia geboren.
Ich kam 1960 in Kischinjow zur Welt, wie die Stadt zu Sowjetzeiten hieß. Meine Erziehung entsprach der damaligen sowjetischen Realität: Ich war Pionier, später Mitglied des Komsomol und der kommunistischen Partei. Ich hatte nie Probleme aufgrund meiner jüdischen Herkunft, weder im Kindergarten noch in der Schule, auch nicht an der Universität, im Beruf als Sportlehrer oder im Freundeskreis. Unsere Erinnerungen sind von anderen Dingen geprägt – wie dem Krieg in Afghanistan oder dem Bürgerkrieg in Moldawien.
Denn im März 1992 brach in Moldawien der Konflikt mit der selbsternannten »Pridnestrowischen Moldawischen Republik« aus, heute eher Transnistrien genannt – ein Bürgerkrieg, der in Deutschland kaum wahrgenommen wurde. Bis heute gibt es unterschiedliche Einschätzungen dieser........
