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»Jüdische Studierende schweigen oft«

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19.10.2026

19. Oktober 2026 – 8. Cheschwan 5787

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»Jüdische Studierende schweigen oft«

Der Antisemitismus-Experte über zunehmenden Judenhass an Universitäten, mangelnde Sicherheit im Alltag und die extreme Rechte in Großbritannien

Herr Rich, die britische NGO Campaign Against Antisemitism (CAA) dokumentiert in ihrem aktuellen Bericht erheblichen Antisemitismus ausgerechnet im britischen Gesundheitswesen. Wie erklären Sie sich das?Seit dem 7. Oktober 2023 verzeichnen wir im Vereinigten Königreich einen massiven Anstieg des Antisemitismus sowie eine Verschärfung der Stimmung in den sozialen Medien und bei Protesten, aber auch in Bereichen, in denen er zuvor kaum eine Rolle spielte. Das Gesundheitswesen ist dafür ein neues Beispiel. Wer im Krankenhaus liegt, ist verletzlich und muss den behandelnden Menschen vertrauen können. Dass Ärzte, Pflegekräfte, Klinikpersonal oder Patienten jüdische Kollegen oder Patienten antisemitisch beschimpfen oder gezielt gegen sie vorgehen, ist alarmierend.

Wie konnte es dazu kommen, dass Antisemitismus selbst dort gesellschaftsfähig wird, wo man ihn am wenigsten erwarten würde?Antisemitismus gab es schon immer, aber normalerweise beschränkte er sich auf die politischen Ränder: auf Rechtsextreme, radikale Islamisten und die radikale Linke. Seit dem 7. Oktober ist es viel alltäglicher geworden, antisemitische Ansichten zu vertreten und zu äußern. Soziale Medien spielen eine große Rolle bei der Normalisierung dieser Ideen. Ebenso die Protestbewegung gegen Israel, den Zionismus und die Vorstellung, Israel sei ein modernes Nazi-Deutschland, das Völkermord begehe. Auch dass jeder, der mit Israel in Verbindung gebracht wird, ein Kindermörder sei, ist mittlerweile weit verbreitet. Dieser Einfluss hat sich auch auf akademische und politisch engagierte Schichten der Mittelschicht ausgebreitet – dazu gehören Ärzte ebenso wie Anwälte.

Warum drangen die antisemitischen Narrative aus den Rändern der Gesellschaft bis in deren Mitte?Seit dem 7. Oktober hat sich für viele Menschen in ihren Köpfen bestätigt, dass Israel ein Apartheidstaat sei. Hinzu kommt die Realität des Ausmaßes an Tod und Zerstörung im Gazastreifen; ganz gleich, wie man die tatsächlichen Geschehnisse bewertet, es wird in politischen Kampagnen instrumentalisiert und von Extremisten genutzt. Genau diese Dynamik greift. Hinzu kommt ein Narrativ, das Israel für praktisch jedes Problem der Welt verantwortlich macht. All das hat dazu beigetragen, dass Antisemitismus in Teilen der Gesellschaft wieder salonfähig geworden ist.

Welche Rolle spielen Universitäten und Kultureinrichtungen bei dieser Verbreitung?Antisemitismus und politischer Extremismus sind an Universitäten nicht neu. Neu ist, dass manche der Studenten, die vor 30 oder 40 Jahren mit solchen Ideen experimentierten, heute als Akademiker lehren und Abteilungen leiten. Teilweise vertreten und vermitteln sie selbst antisemitische Vorstellungen – etwa über angebliche jüdische Macht oder »zionistische Lobbys« – oder vergleichen Israel mit Nazi-­Deutschland.

Wie können jüdische Studierende geschützt werden, wenn der Antisemitismus von den Dozierenden ausgeht?Das ist genau das Problem. Wenn jüdische Studierende mit Antisemitismus durch andere Studierende konfrontiert sind, gibt es Verfahrensweisen, damit umzugehen. Schwieriger wird es, wenn der Dozent über Hausarbeiten und Noten entscheidet: Das Machtgefälle macht es sehr schwer, sich zu wehren. Deshalb schweigen jüdische........

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