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Verliebt in Berlin

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11.10.2026

11. Oktober 2026 – 30. Tischri 5787

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Carolina Schomer ist Brasilianerin, kam für eine Auszeit – und fand eine zweite Heimat

Meine Heimatstadt São Paulo ist ein bisschen wie Berlin, aber nicht so grün. Als ich vor neun Jahren nach Deutschland kam, gab es für mich einige Herausforderungen zu meistern, denn die Mentalität der Menschen hierzulande ist schon sehr anders, und ich musste mich an das Wetter anpassen. Trotz allem punktet der Aspekt der Sicherheit: In São Paulo ist man so vielen Gefahren ausgesetzt, in Berlin hingegen habe ich mich immer sicher gefühlt. Ich liebe Berlin, doch mein Herz bleibt in Brasilien.

Mein Sohn ist inzwischen fünf Jahre alt, zu Hause sprechen wir Portugiesisch, in der Kita und mit seinem Vater spricht er Deutsch. Meiner jüdischen Herkunft bin ich mir bewusst, dank meiner Großeltern, die mir die Kultur nahebrachten, dennoch hatte ich keine starke Verbindung zur jüdischen Gemeinde in São Paulo. Dort gibt es zwei jüdisch geprägte Nachbarschaften. Bom Retiro wurde in den 40er-Jahren gegründet, und in Higienópolis, in unserer Nachbarschaft, haben rund 30 Prozent der Bewohner einen jüdischen Hintergrund.

Erst mit Mitte 30 begann ich, mich mehr mit meinen jüdischen Wurzeln und mit der Geschichte meiner Großeltern auseinanderzusetzen. Meine Groß- und Urgroßeltern kamen ursprünglich aus Polen. Meine Großmutter trug den Mädchennamen Simces, sie wurde in Kolki in der heutigen Ukraine geboren. In ihrer Familie wurde Jiddisch gesprochen. Sie war in den 30er-Jahren nach Brasilien eingewandert und zog in eine ländliche Region nahe São Paulo, in die Stadt Garça. In Polen hatten sie erlebt, wie viele ihrer jüdischen Freunde und Verwandten nach Brasilien auswanderten. Meine Großeltern väterlicherseits, die Familie Schomer, kamen hingegen aus Russland.

Die Feiertage verbrachten wir mit unseren Verwandten im Haus meiner Großmutter

In São Paulo, wo meine Großeltern etliche Bekannte wiedersahen, gab es eine jüdisch geprägte Nachbarschaft, mit jüdischen Schulen, Einrichtungen und Läden. Viele der Menschen dort stammten aus Osteuropa. Meine Mutter wurde 1957 in Brasilien geboren und hat einen polnischen Pass. Ihre Eltern waren arm. Meine Mutter schloss sich später der jüdischen Studentenbewegung an. Damals war São Paulo noch eine sichere Stadt.

Meine Mutter wurde Psychologin, mein Vater war Manager, er hatte eine Verpackungsfirma. Beide haben einen jüdischen Hintergrund, ursprünglich wollte mein Vater nach Israel auswandern, doch dann traf er meine Mutter. In Higienópolis unterhielt sich meine Mutter mit etlichen Menschen sogar noch auf Jiddisch, daher kamen mir........

© Juedische Allgemeine