Hilfe in Zeiten des Krieges
17. September 2026 – 6. Tischri 5787
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Hilfe in Zeiten des Krieges
Wie geht es Juden in dem umkämpften Land und im angrenzenden Rumänien? Unser Autor begleitete eine ZWST-Delegation auf ihrer Reise nach Czernowitz und Suceava
Suceava in Rumänien ist mit knapp 100.000 Einwohnern die größte Stadt in der südlichen Bukowina. Das »Buchenland«, wie die Region auf Deutsch heißt, war einst Teil des Habsburger-Reichs und ist seit 1940, als die Sowjetunion den nördlichen Teil besetzte, zweigeteilt. Der Süden gehört zu Rumänien und damit zur Europäischen Union, der Norden mit der Hauptstadt Czernowitz zur Ukraine. Hier leben seit der russischen Vollinvasion im Februar 2022 zahlreiche Binnenflüchtlinge, weil die Gegend im Südwesten des Landes als relativ sicher gilt.
Ukrainer können ohne Visum in die Europäische Union einreisen, die Grenze zu Rumänien ist offen, wird von den Grenzpolizisten beider Staaten allerdings penibel überwacht. Vor den Kontrollposten bilden sich immer wieder lange Staus. Auch zahlreiche Fahrzeuge mit deutschen Nummernschildern sind zu sehen. An Checkpoints halten ukrainische Soldaten Autos schon ein paar Kilometer vor der eigentlichen Grenze an. Sie wollen vor allem verhindern, dass sich Männer im wehrfähigen Alter dem Kriegsdienst durch Flucht ins Ausland entziehen.
Der Krieg ist für die Menschen auch hier allgegenwärtig
Auch wenn Chernivtsi, wie die Stadt auf Ukrainisch heißt, bislang von russischen Angriffen bis auf wenige Ausnahmen – bei einem Drohnenangriff auf ein Wohnhaus im Juli 2025 starben fünf Menschen – verschont geblieben ist, ist der Krieg für die Menschen auch hier allgegenwärtig. Mitten in der Altstadt, gegenüber der ehemaligen Hauptsynagoge, in der sich seit Sowjetzeiten ein Filmtheater befindet und das im Volksmund jetzt »Kinagoge« genannt wird, befindet sich das Rekrutierungsbüro der ukrainischen Armee. Zwei freundlich dreinschauende Soldaten in Kampfanzügen stehen davor. Obwohl Fotos von militärischen Einrichtungen eigentlich streng verboten sind, lassen sie sich auf Nachfrage gern ablichten.
Nur einen Steinwurf entfernt liegt der zentrale Gedenkort für die Kriegsopfer. Der Platz ist nach dem Nationaldichter und Maler Taras Schewtschenko benannt. Vor einer riesigen ukrainischen Flagge, der die zwölf Sterne der Europafahne beigefügt sind, wird der Toten des Krieges gedacht. Hunderte Fotos mit den Namen, Geburts- und Sterbedaten gefallener Czernowitzer Soldaten. Doch endet die Bilderserie bereits im Jahr 2021, also noch vor dem russischen Einfall in die gesamte Ukraine. Fast 4000 weitere Soldaten aus dem Oblast (Landkreis) Chernivtsi sind seitdem dem Krieg zum Opfer gefallen.
In der ehemaligen Hauptsynagoge befindet sich seit Sowjetzeiten ein Filmtheater.
In der ehemaligen Hauptsynagoge befindet sich seit Sowjetzeiten ein Filmtheater.
Ein ähnliches Bild wie am Schewtschenko-Platz bietet sich an einer Grundschule etwas außerhalb der Stadt. Während auf dem Pausenhof kleine Kinder toben, stehen ein paar Meter weiter fünf Bildtafeln. Auf ihnen steht auf Ukrainisch zu lesen: »Wir erinnern an unsere Helden.« Abgebildet sind ehemalige Schüler, die im Kampf der Ukraine um Freiheit und Unabhängigkeit ihr Leben lassen mussten. Davor steht ein kleineres Schild: »Schätze das Leben!«, so heißt es darauf.
Anders als in Deutschland sind ukrainische Juden nicht vom Militärdienst befreit
Anders als in Deutschland sind ukrainische Juden nicht vom Militärdienst befreit. »Wir sind alle Ukrainer«, sagt denn auch Myhailo Krois. Er hat einen Sohn, der seit fünf Jahren Dienst in der ukrainischen Armee leistet. Eigentlich sei er wegen eines körperlichen Gebrechens freigestellt gewesen. »Aber dann hat er sich freiwillig gemeldet«, sagt Krois. Sein Sohn sei schon in Saporischschja eingesetzt gewesen und war an der Befreiung von Cherson beteiligt.
»Vor Kurzem wurde er zum Oberleutnant befördert«, erzählt der Vater. Im Winter 2022/23 kämpfte der heute 30-Jährige in der Kleinstadt Bachmut bei Donezk. Es war die verlustreichste Schlacht in Europa seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Nach vorsichtigen Schätzungen kamen in Bachmut zwischen 20.000 und 30.000 ukrainische und russische Soldaten und mehrere Tausend Zivilisten ums Leben.
Die russische Sprache spricht Myhailo Krois nach dem russischen Überfall auf die Ukraine nur noch ungern, und er ist nicht der Einzige. Viele ursprünglich russischsprachige Ukrainer lernen nun die Landessprache.
Krois kümmert sich mit vollem Einsatz um die Pflege des jüdischen Kulturerbes. Das ist keine kleine Aufgabe. Vor dem Ersten Weltkrieg, als die gesamte........
