Geistige Freiheit
08. Oktober 2026 – 27. Tischri 5787
AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service
AboAngebote PrintAngebote E-PaperAbo-Service
Tschechien ist Ehrengast der Buchmesse. Unser Autor erinnert an die Zeit nach dem Prager Frühling, als Bücher in seiner Heimat als »Samisdat« im Untergrund erschienen
Die tschechische Literaturwelt hat nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen im August 1968 ein Wunder vollbracht: Alle wirklich wichtigen Autoren, alle unsere Großen haben sich dem neuen Regime nicht angepasst – oder sie emigrierten wie Josef Škvorecký und Milan Kundera. Nur drei der damals viel gelesenen und bekannten Schriftsteller sind umgefallen und wurden »zugelassen«: Ladislav Fuchs, Jiří Šotola und Vladimír Páral. Ansonsten stieg unsere gesamte Literatur in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts in den Untergrund ab – und man publizierte nur dort. Auch viele junge Leute, also die zukünftigen »Doch-auch-gerne-Literaten« wie ich, sahen nur diese eine Perspektive vor sich.
Der Schriftsteller Ludvík Vaculík – Autor des »Manifests der 2000 Worte« vom Frühjahr 1968 – gründete die erste und bis heute bekannteste Samisdat-Edition des Landes. Sie hieß Petlice (Riegel) und diente als Vorbild für viele andere Herausgeber der folgenden zwei Jahrzehnte.
Das Wort »Samisdat« kommt aus dem Russischen und bedeutet so viel wie »Selbstverleg(t)«
Das Wort »Samisdat« kommt aus dem Russischen und ist für Slawen leicht zu entziffern. Ins Deutsche umgewandelt, könnte man dafür das Schrumpfwort »Selbstverleg(t)« kreieren. Von einem »Verlag« (Isdatjelstwo) sollte damals aus rechtlichen Gründen lieber nicht die Rede sein.
Ich fühle mich zwar nicht wirklich alt, mit Schrecken denke ich jetzt aber daran, dass ich von Dingen spreche, die teilweise mehr als 50 Jahre zurückliegen. Als ich einmal einen Literatur-Workshop für Schulkinder gestaltet habe, begeisterten sie sich vor allem für meine alte Schreibmaschine – in ihren Augen war das kleine Monster ein Wunder. Sie »übertrug« mittels Tasten und........
